Dienstag, 6. März 2018

[Rezension] "Dein Leben gegen meins" von Liv Constantine

Copyright: Harper Collins
„Dein Leben gegen meins“ hatte ich vor einigen Wochen begonnen zu lesen und nach 50 Seiten abgebrochen. Da es bis dato auf Netgalley keine Leseprobe gab, entpuppte sich dieser recht magere Thriller für mich als totaler Flop. Dass ich das Buch dann doch noch beendet habe, lag an einem sehr zeitintensiven Besuch beim Arzt, einem überfülltem Wartezimmer (Grippewelle!) und viel Langeweile. Geändert hat sich an meiner Meinung nichts. Ein Thriller - wie eigentlich jedes Buch - braucht Spannung, glaubhafte Charaktere und einen guten Stil, Dinge, die "Dein Leben gegen meins" allesamt fehlen.

Erzählt wird aus zwei Perspektiven. Die erste Hälfte ist Amber vorbehalten, ein ziemliches Miststück. Sie kommt aus armen Verhältnissen, will Geld und Ansehen, hat es mit der Arbeit aber nicht so. Deshalb macht sie sich an die reiche Daphne Parish ran, um ihr den attraktiven Jackson auszuspannen.

Wie angelt man sich einen Millionär? Amber meint zu wissen, wie es geht. Man (Amber) passt die Millionärsgattin im Fitnessclub ab, erwähnt beiläufig eine tote Schwester und alles andere läuft von selbst. Erst wird man zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung eingeladen, danach ist man quasi bereits best friends mit der Ehefrau, die übrigens ebenfalls eine tote Schwester hat. Dann hagelt es munter weitere Einladungen. Zu Dinnerparties, Yachtausflügen, ins Restaurant und zu Familientreffen. So ungefähr 200 Seiten lang. Denn Jackson - der Typ mit der Kohle, um den es eigentlich geht, falls man es zwischenzeitlich vergessen haben sollte - ist eine harte Nuss. Da zieht die tote Schwester nicht. Also heißt es für Amber, fleißig weiter einschmeicheln, gut aussehen und ansonsten unzufrieden vor sich hin brüten.

Das ist die erste Hälfte dieses sogenannten Thrillers. Klingt langweilig? Ist es auch. Sterbenslangweilig. Ich habe dieses Buch nicht umsonst zunächst abgebrochen. 200 Seiten Beschreibungen von Örtlichkeiten und nichtssagendes Höflichkeitsgetue. Mir sind die Füße eingeschlafen. Ab der Mitte gibt es einen Perspektivwechsel. Nun kommt Daphne zu Wort. Hätte man ihre Sichtweise schon früher eingebaut, wäre zumindest etwas Abwechslung entstanden. Stattdessen hielten es die Autorinnen (zwei Schwestern, die unter Pseudonym schreiben) für eine gute Idee nochmal bei null anzufangen und viele der Belanglosigkeiten aus der ersten Hälfte erneut aufzurollen.

Der Plottwist, der freundlicherweise im Klappentext verraten wird, hätte rein theoretisch das Potenzial zur Spannung. Leider bewegt sich das Buch aber von vorne bis hinten auf seichtestem Seifenopernniveau, bei dem es mir mitunter schwer fiel, nicht zu lachen. Das sich entspinnende Intrigenspiel ist an Plumpheit kaum zu überbieten. Scharfsinn bei den Charakteren sucht man vergeblich. Das kann sie nicht wirklich glauben! Das muss sie doch durchschauen! Und er? Welchem Unsinn geht er da jetzt wieder auf den Leim? Solche Gedanken kamen mir im Akkord. Daphne kommt geringfügig besser weg, aber eine Frau, der man weismachen kann, Menschen ließen sich problemlos jederzeit in der Psychiatrie abgeben, um sie dort auf ewig verschwinden zu lassen, ist mir auch nicht ganz geheuer.   
Das Buch ist leicht zu lesen, mehr auch nicht.

Fazit: Gerne würde ich etwas Positives berichten, aber ich fand nichts. Die Charaktere sind so flach wie der Spannungsbogen und die ganze Story ist klischeehaft hoch drei. Ich hatte keine hohen Ansprüche, wollte nur ein paar unterhaltsame Stunden. Doch die einzige Unterhaltung bestand aus viel unfreiwilliger Komik. Man hätte was draus machen können. Hätte. (Es ist zwar alles nicht Ernst zu nehmen, trotzdem gebe ich an dieser Stelle noch eine Triggerwarnung: Vergewaltigung.)



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Originaltitel: The Last Mrs. Parrish 
Übersetzung: Alexander Weber
e-book: 464 Seiten
Verlag: HarperCollins
Erscheinungsdatum: 5. März 2018
ISBN: 978-3959671538

Kommentare:

Daniela von Buchvogel hat gesagt…

uih..., seltsames Buch. Tröste dich, du selbst hattest zwar keine unterhaltsame Stunden, die hat mir dafür aber deine Rezension besorgt - auch wenn es eher unterhaltsame Minuten waren.

Lex hat gesagt…

Na, das freut mich doch :-D Ich kam auch leider nicht umhin, ein wenig darauf herumzureiten.
Liebe Grüße
Alex

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