Sonntag, 15. Oktober 2017

[Rezension] "Mord erster Klasse. Der dritte Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens

"Mord erster Klasse. Der dritte Fall für Wells & Wong" von Robin Stevens
Copyright: Knesebeck
Diese Reihe gefällt mir wirklich von Buch zu Buch besser! „Mord erster Klasse“ ist der inzwischen dritte Kinder-Krimi-Band um die beiden Detektivinnen Daisy Wells und Hazel Wong und ich fühlte mich von der ersten bis zur letzten Seite enorm gut unterhalten und hatte riesigen Spaß beim Miträtseln. 

In ihrer Danksagung schreibt Robin Stevens, der neue Fall sei ihre ganz persönliche Hommage an Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ - die Verfilmung habe sie mindestens 20mal gesehen. Wenn man sich an ein so großes und bekanntes Vorbild heranwagt, kann die Umsetzung leicht daneben gehen, was hier absolut nicht der Fall ist. Das Ergebnis ist alles andere als eine dürftige Kopie. Der Autorin ist ein unheimlich amüsanter, abwechslungsreicher Kriminalfall gelungen, bei dem auch die Auflösung locker mithalten kann.

Das Setting also dieses Mal: Ein Zug! Hazels Vater, Mr. Vincent Wong, nimmt die beiden Mädchen mit auf eine Fahrt quer durch Europa im berühmten Orientexpress. Seine Hoffnung, die beiden gewännen dadurch etwas Abstand von ihrem aufregenden „Hobby“, ist jedoch zum Scheitern verurteilt. Eine illustre Gesellschaft befindet sich unter den Mitreisenden, von exzentrisch bis zwielichtig ist alles dabei - eine zanklustige Gräfin, ein unheimlicher Zauberkünstler, ein cholerischer Ehemann, um nur einige zu nennen. Als ein Mord geschieht, nehmen Daisy und Hazel ihre Ermittlungen auf, was sich - unter den strengen Augen von Mr. Wong - wie immer als schwierig erweist.


Robin Stevens fängt die Perspektive der beiden 13/14-jährigen Mädchen wieder großartig ein; dem Alter entsprechend kindlich, aber scharfsichtig, mit einem entlarvenden Blick auf die Welt der Erwachsenen, die - das sollte nach drei Bänden klar sein - nie so erwachsen und vernünftig ist, wie man es Kindern oft weismachen will. In der 1930er Jahren war das Leben von Kindern der Upper Class, zu der sich die Mädchen zählen dürfen, sehr von Etikette und Verhaltenskodex geprägt. Für die extrovertierte Daisy und die viel umsichtigere Hazel ist es daher nicht ganz so leicht, ihrer als "undamenhaft" geltenden detektivischen Berufung nachzugehen. Umso unterhaltsamer ist es, zu erleben, wie raffiniert sich die beiden immer wieder Informationen beschaffen und unbemerkt von den Erwachsenen ihre Beobachtungen machen. 

Spaß und Spannung stehen in „Mord erster Klasse“ klar im Vordergrund, dennoch gibt es wieder dezente sozialkritische Töne. Hazel Wongs asiatische Herkunft und deren sensible Wahrnehmung als „andersartig“ in der feinen britischen Gesellschaft, wird innerhalb der Reihe ja mehrfach thematisiert. Dieses Mal gibt es konkrete politische Bezüge, Hitlers Aufrüstung und die Judenverfolgung. Im Alter von 12 - 15 Jahren sollten Kinder/Jugendliche mit der Thematik aber nicht überfordert sein, zumal sie völlig unaufdringlich am Rande einfließt und einen guten Anstoß gibt, über die Gesellschaft (damals und heute!) nachzudenken.

Trotz insgesamt 16 mitwirkenden Protagonisten prägen sich die Charaktere dank ihrer ungewöhnlichen Persönlichkeiten schnell ein, so dass man sich schon nach wenigen Seiten in der Geschichte zurecht findet. Von jetzt auf gleich ist man mitten drin ... und wer nicht ganz so schnell den Überblick gewinnt, wirft einen Blick ins beigefügte Personenverzeichnis. Die bunte Besetzung, bei der eigentlich immer etwas los ist, sorgt für viel Abwechslung, so dass es bis zur cleveren Auflösung zu keinerlei Stillstand in der Handlung kommt. Und ganz nebenbei darf man kleine Referenzen zu Agatha Christies Original entdecken. Eine einzige Szene hat von mir viel Gutgläubigkeit erfordert - dass zwei Teenager unbemerkt von mehreren Erwachsenen auf einem Fußboden (noch dazu in einem engen Zugabteil) umherrobben können, halte ich für gelinde unwahrscheinlich. ;-)

Wer Wells und Wong bis hierhin begleitet hat, darf sich wohl zum festen Fankreis zählen. Meiner Ansicht nach sind die Geschichten nicht nur für das empfohlene Lesealter geeignet, sondern generell für alle jung gebliebenen Erwachsenen. Die Serie ist auf eine gemütliche Art nostalgisch, sehr humorvoll und mit den innen aufgeführten Übersichtskarten im Cluedostil auch liebevoll gestaltet. Grundsätzlich kann man alle Bücher als Einzelbände lesen, da aber von Fall zu Fall kleine Bezüge zu den Vorgängern einfließen, empfiehlt es sich chronologisch vorzugehen. Ich für meinen Teil hoffe sehr, dass weitere Abenteuer von Wells und Wong ins Deutsche übersetzt werden und kann die Reihe allen - ob groß, ob klein - ans Herz legen. „Mord erster Klasse“ jedenfalls war wieder ein wahres Lese-Highlight!


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Mord erster Klasse: Der dritte Fall für Wells & Wong von Robin Stevens
Original: First Class Murder: A Murder Most Unladylike Mystery
Übersetzung: Nadine Mannchen
Hardcover: 288 Seiten
Verlag: Knesebeck
Erscheinungsdatum: 21. September 2017
ISBN: 978-3957280534
Altersempfehlung: 12 - 15 Jahre
 

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