Dienstag, 1. August 2017

[Rezension] "Meja Meergrün" von Erik Ole Lindström

"Meja Meergrün" von Erik Ole Lindström, Hörbuch, Kinderbuch
Bildquelle: cbj audio
Neue literarische Heldinnen braucht das Kinderbuch-Genre! Aber nicht irgendwelche … Stark sollten sie sein, kämpferisch und ohne Furcht die eigenen Emotionen zu zeigen. Sie sollten träumen und ihre Träume verwirklichen. Und vor allem sollten sie an sich selbst glauben. Nach diesen Heldinnen suche ich aktuell, denn ich möchte, dass mein Sohn nicht nur mit männlichen Heldenfiguren aufwächst. 
Natürlich gibt es einige literarische Figuren wie Pippi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter, die mir zu diesem Thema einfallen, aber vor Kurzem durfte ich eine noch recht junge und frische Protagonistin aus einer neuen Kinderbuchreihe kennenlernen, die das Potenzial zur Heldin hat: Meja Meergrün.

Die kleine Meerjungfrau lebt in einer magischen Unterwasserwelt. Ihre Eltern verreisen sehr oft und während dieser Zeit wohnt Meja allein in einem wunderschönen Haus mit einer meergrünen Glocke. Und was tut man, wenn die eigenen Eltern ausgeflogen sind? Richtig! Man sucht nach großen Abenteuern, die man mit seinen besten Freunden bestreiten kann. Lange suchen muss Meja jedoch nicht, denn in den letzten Tagen scheint irgendetwas Merkwürdiges in der Unterwasserwelt vorzugehen. Nach und nach wird es dunkler auf dem Meeresgrund. Dahinter steckt bestimmt die böse Wasserhexe Siri und Meja macht sich zusammen mit ihren Freunden auf, um das Verlöschen des Lichts zu verhindern und schlittert von einem tollkühnen Abenteuer ins nächste.

Bevor Meja sich ins Abenteuer stürzt, lernt der Leser erst einmal ihre Lebensumstände etwas besser kennen. Sie lebt allein in einem großen Haus, ihre Eltern begeben sich meistens auf geheimnisvollen Reisen und lassen Meja viel Freiraum, obgleich diese noch recht grün hinter den Ohren ist. Meja liebt es, ohne Regeln in den Tag hineinzuleben und sich mit ihren Freunden in der Unterwasserwelt zu tummeln. Zur Schule geht Meja einfach nicht. Das findet ihre Lehrerin überhaupt nicht gut und setzt alles daran die kleine Meerjungfrau umzustimmen.
Erinnert euch das vielleicht an eine andere Geschichte? Mich auch und das war für mich ein großer Kritikpunkt. Gerade am Anfang gab es doch viele Parallelen zu „Pippi Langstrumpf“, die der Autor lieber weggelassen hätte. Genau wie die darauffolgenden Ereignisse, die vergleichbar mit den Begebenheiten aus „Arielle, die Meerjungrau“ sind. Bei mir kam im Laufe der Geschichte auch die Frage nach dem Verbleib der Eltern auf, weil dieses Thema nicht behandelt wird. Als Erwachsener muss man bei Kinderbüchern manchmal das rationale Denken weglassen und über solche Dinge hinwegschauen. Bei „Meja Meergrün“ entdeckt man dann auch die vielen unterhaltsamen und sehr witzigen Details und die amüsanten literarischen Figuren in der abenteuerlichen Handlung und kann, zusammen mit seinem Kind, das sich sowieso nicht von den Ereignissen ablenken lässt, eine wunderbare Geschichte erleben.

Meja Meergrün“ habe ich zusammen mit meinem Sohn in Hörbuchform erleben dürfen - gelesen und gesungen von der brillanten Hörbuchsprecherin Anna Thalbach. Diese verleiht durch ihre Stimme, jedem Protagonisten aus dieser Geschichte eine ganz besondere Charakternote. Besonders ausgeprägt ist diese Note jedoch bei Meja Meergrün. Diese literarische Figur wirkt so abenteuerlustig, wild und mutig, manchmal aber auch etwas rotzig und frech. Eine wichtige charakterliche Eigenschaft ist auch ihre Liebenswürdigkeit, die immer wieder durchsickert – auch wenn Meja es nicht möchte. Ihr Herz ist einfach am richtigen Fleck.

Meja Meergrün“ von Erik Ole Lindström ist der Auftakt zu einer neuen Kinderbuchreihe, in der viel Potenzial schlummert. Wenn der Autor sich in den nächsten Bänden etwas mehr auf seine eigenen Ideen beschränkt und seiner Handlung und einigen Protagonisten etwas mehr Tiefe verleiht, kann daraus eine großartige Geschichte entstehen, die mit einer weiblichen literarischen Heldenfigur gekrönt wird.





Meja Meergrün von Erik Ole Lindström
Illustrationen: Wiebke Rauers 
Audio CD 
Verlag: cbj audio; Ungekürzte Lesung, Inszenierte Lesung mit Musik
Erscheinungstermin: 13. März 2017 
ISBN-13: 978-3837138351 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 6 Jahren

Kommentare:

Laura von SkylineOfBooks hat gesagt…

Hi Katrin (und hallo Ben ;) )!

Ich habe das Buch letztens schonmal bei Favola war es glaube ich bewundert. Es sieht sehr niedlich aus wie ich finde und deine Meinung zum Hörbuch klingt ja auch schonmal nicht schlecht. Da bin ich gespannt, was ihr zu folgenden Geschichten sagen werdet!

Liebe Grüße
Laura

Kathrin Everdeen hat gesagt…

Hey Laura (und hallo zurück ;) )

ich glaube die Illustrationen sind ganz sicher wunderschön. Die fehlen ja immer in den Hörbüchern, aber dafür bekommt man eine brillante Hörbuchsprecherin. Ich bin auch gespannt, ob sich die Geschichte steigern wird.

Viele liebe Grüße

Mikka Liest hat gesagt…

Huhu!

Wie schön, dass du deinem Sohn direkt zeigst, dass auch Mädchen stark sein können! :-) Ich finde, man sollte Jungen UND Mädchen zeigen, dass man ungeachtet des Geschlechts stark sein kann – aber auch ungeachtet des Geschlechts sensibel und gefühlvoll.

Die Parallele zu Pipi Langstrumpf ist mir auch direkt aufgefallen! Und irgendwie würde ich mir bei einem Kinderbuch ja auch wünschen, dass zumindest erklärt wird, warum die Eltern so selten präsent sind.

Ansonsten klingt es nach einem schönen Kinderbuch!

Ich finde die Fotos von deinem Sohn, wie er konzentriert liest, einfach so herzig... ♥ Was für ein süßer kleiner Kerl!

Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

LG,
Mikka

Kathrin Everdeen hat gesagt…

Liebe Mikka,

danke für deinen Kommentar. Ich finde es sehr wichtig, dass mein Sohn ein starkes Frauenbild vermittelt wird. Schließlich gehört er zur nächsten Generation.
Ja, die Fotos sind echt putzig, aber schon etwas veraltet. Mit seinen fast 3 Jahren passt er nicht mehr ins Regal. Es wird also Zeit für neue Fotos.

Vielen Dank fürs Verlinken!

Liebe Grüße

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