Dienstag, 6. Juni 2017

[Rezension] "Ragdoll - Dein letzter Tag (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 1)" von Daniel Cole

"Ragdoll - Dein letzter Tag (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 1)" von Daniel Cole
Bildquelle: Ullstein
In einem Appartement wird eine aus sechs Menschen zusammengeflickte Leiche gefunden, eine menschliche Ragdoll, wie die Polizei ihren grausamen Fund nennt. Kurz darauf taucht eine Liste mit Namen und Todesdaten auf, die nächsten Opfer des Täters. Ganz unten auf der Liste auch der Name des im Ragdoll-Fall ermittelnden Detectives, William Oliver Layton-Fawkes, kurz Wolf genannt. Schnell wird klar, dass alles seinen Ursprung in einem vier Jahre zurückliegenden Prozess um einen Serienmörder hat. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, ein Wettlauf gegen die Zeit, in dem die Polizei dem Täter immer ein paar Schritte hinterher hinkt.

Sehr gerne würde ich euch mal wieder ein echtes Lesehighlight vorstellen, aber dieses Buch zählt leider eher zu meinen bisherigen Jahresflops. Ein irrer Killer, der eine Todesliste abarbeitet, eine enge Frist, um die Zusammenhänge zu klären … das versprach eigentlich jede Menge Nervenkitzel und hätte etwas werden können. "Ragdoll - Dein letzter Tag" von Daniel Cole war für mich - im Gegensatz zu vielen anderen Lesern - jedoch echte Durchquällektüre. Wenn man von den ersten 100 Seiten absieht, die sich mit dem grausigen Leichenfund ganz effektvoll gestalten und auch schnell Tempo aufnehmen, kann ich über den weiteren Verlauf wenig Gutes berichten.


Der Haupthandlungsstrang wird unter zu vielen Nebensächlichkeiten begraben, der Leser weiß oftmals mehr als die Ermittler und die Figuren haben an Persönlichkeit wenig zu bieten. 
Hauptcharakter Detective Wolf war mir vor allem eines: unsympathisch. Er ist ständig schlecht drauf, hat ein kleines Aggressionsproblem und ist generell eine wandelnde emotionale Zeitbombe. Trotzdem ist er ein markanter Frauentyp, ein Herzensbrecher, dem selbst Ex-Frau Andrea - eine gestandene Journalistin - noch hinterher jammert und der von seiner toughen Kollegin Baxter unglücklich angehimmelt wird. Denn, ja ja, so sind wir Frauen eben. Männer mit unberechenbaren Stimmungsschwankungen haben für uns eine unwiderstehliche Aura...nicht. Jedenfalls war Wolf schon in der Psychiatrie, steht bei seinen Kollegen aber trotzdem hoch im Kurs, denn im Grunde ist er nur ein Opfer seiner eigenen hehren Moralvorstellungen. Eine missverstandene, tragische Gestalt, die vor Jahren einen Mann fast zu Tode geprügelt hat, der sich später als Serien- und Kindermörder entpuppte.

Die vordergründige Vielschichtigkeit des am Rechtssystem leidenden Individuums und eines übersteigerten Gerechtigkeitsempfindens kam allerdings überhaupt nicht bei mir an. Ich empfand Wolf vornehmlich als selbstgefällig und bisweilen als kindisch. Die meiste Zeit habe ich ihn einfach nicht verstanden. Mal ein Beispiel: Er lässt ein potenzielles Mordopfer einfach so schutzlos stehen, nur weil dieses etwas sagt, was ihm gegen den Strich geht. Für mich haben solche Szenen den Anstrich einer unreifen Trotzattacke und führen zu Widerwillen gegenüber der Figur. Vielleicht sollte ich noch sagen, dass besagtes potenzielles Mordopfer Wolf ein paar Seiten später um ein Date bittet. Denn der gute Detective ist einfach so unfassbar sexy, da kann ihm keiner wirklich böse sein. Muss ich erwähnen, dass ich die Protagonisten als maximal oberflächlich und klischeehaft empfunden habe.

Kommunikationsgenies sind sie übrigens auch. Köcheln alle ihr eigenes Süppchen, wundern sich dann, dass so mancher überstürzte Alleingang im Desaster endet und gemeinschaftlich wird dem Mörder auf diese Weise bis kurz vor Schluss munter in die Hände gespielt. Effektiv gekillt wurde vor allem eines - die Spannung auf meiner Seite des Buches! Verstärkt noch durch den langatmigen, manchmal seltsam sprunghaften Schreibstil. Insgesamt habe ich an diesem Buch mehr als zwei Wochen lustlos herum gelesen und war mehrfach versucht es abzubrechen, weil wirklich nichts mein Interesse halten konnte. 
Die Auflösung kam dann - ebenso wie einige Entwicklungen - nicht ganz unerwartet. Ich war ehrlich gesagt hauptsächlich überrascht, dass es letztlich doch so offensichtlich war. Trotzdem gab es noch eine späte Wendung, die ich so nicht vorhergesehen hatte und die doch ungewöhnlich ist - wäre das anders umgesetzt worden, hätte ich dem Buch vielleicht etwas abgewinnen können.

Letztendlich kann ich für "Ragdoll - Dein letzter Tag" aber keine Empfehlung aussprechen. Ich empfand die Erzählweise teilweise als unfertig und insgesamt als langweilig, was den Plot, der vor stereotypen, nervigen Figuren nur so strotzte, zu einem extrem zähen Leseerlebnis für mich machte. Die Auflösung und einige Zusammenhänge sind bis zu einem gewissen Grade voraussehbar, so dass sich meine Begeisterung doch sehr in Grenzen hält und die Serie nach Band eins für mich endet!






Originaltitel: Ragdoll
Übersetzung: Conny Lösch
Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Ullstein
Erscheinungsdatum: 27. März 2017
ISBN-13: 978-3548289199

Kommentare:

Buchbahnhof hat gesagt…

Guten Morgen,
nun bin ich aber wirklich gespannt auf das Buch. Ich habe bisher nur begeisterte Rezensionen gelesen und bei mir wartet das Buch auch darauf, gelesen zu werden. Mal schauen, ob ich mich am Ende dir anschließe, oder total begeistert bin, oder irgendetwas dazwischen.
Hab einen guten Start in die Woche
LG
Yvonne

Lex hat gesagt…

Hi Yvonne.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du mehr Freude an dem Buch hast. :-) Ich fand es wirklich unglaublich nervig ... bis auf die Auflösung ganz am Ende, die war nicht schlecht. Aber auf den letzten Seiten konnte das leider nichts mehr rausreißen. Und du hast recht, die meisten Rezensionen sind sehr positiv. Wenn ich mit meiner Meinung so von der Masse abweiche, erwähne ich es immer gerne, denn es ist ja echt ganz spannend mit der Chemie zwischen Buch und Leser. Was für den einen wunderbar klappt, funktioniert für den anderen eventuell gar nicht. Bin gespannt auf deine Meinung!

Ich wünsche Dir auch eine schöne Woche
Liebe Grüße
Alex

Mona hat gesagt…

Was für ein Glück, dass es nicht nur mir so ging.
Ich fand das Buch auch langweilig, verwirrend und irgendwie unsympatisch....

Lex hat gesagt…

Hey Mona,

da bin ich aber froh, dass ich nicht allein auf weiter Flur mit meiner Meinung stehe! :-) Danke für deine Rückmeldung.

Liebe Grüße

Nadine Paque-Wolkow hat gesagt…

Hi

Ich gebe dir vollkommen Recht.
Auch ich habe mir viel von Ragdoll versprochen, und war am Ende mehr als nur ernüchtert. Mir hat vorallem der Humor zu schaffen gemacht, den ich überhaupt nicht lustig war, sondern dem Stoff teilweise seine Glaubwürdigkeit genommen hat. :/

Schade, das hätte gut werden können.
War aber eher ein Schuss ins Klo

lg
Nadine

Lex hat gesagt…

Hallo Nadine!

Da sind ja doch ein paar Ragdoll-Kritiker da draußen. :-) Den Humor fand ich auch seltsam, da stimme ich dir zu. Einerseits dieser dröge Strom von Abläufen und dann immer wieder so eine unpassende "Situationskomik" oder wie man das bezeichnen soll. Es hat sich so gar nicht in diese ernste Handlung eingefügt. Die Figuren kamen dadurch noch merkwürdiger rüber.
Vielleicht liegt's daran, dass es ein Debüt war? Keine Ahnung. Schuss ins Klo, da sagst du was.

Liebe ratlose Grüße ;-)
Alex

мєℓαиιє hat gesagt…

Halllelujah, nach all den tollen Rezensionen endlich mal jemand, der das Buch auch nicht so toll fand.
Ich muss ehrlich gestehen, dass es auf meinem Handy vor sich hindümpelt und ich nicht mal richtig zu Ende gelesen habe.
Ich denke ähnlich wie du und bin vom dem Protagonisten momentan irgendwie einfach so sehr genervt, dass ich gar keine richtige Lust mehr zum Weiterlesen habe. :/

Liebe Grüße
Melanie

Lex hat gesagt…

Huhu Melanie,

das kann ich gut verstehen. Ich war auch sehr glücklich, als ich das Buch endlich zuklappen konnte. :-) Ich breche Bücher ja nur ganz ganz selten ab.... hier war ich kurz davor. Vielleicht kommt ja nochmal die Zeit, in der du neugierig auf's Ende wirst. Bei mir war da ganz zum Schluss immerhin so eine Art Aha-Moment, der ganz interessant war. Trotzdem... im Großen und Ganzen empfand ich es eher als Zeitverschwendung.

Danke für deinen Kommentar und einen schönen Abend dir.

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