Samstag, 24. Juni 2017

[Rezension] "Er liebt sie nicht" von Sharon Bolton

"Er liebt sie nicht" von Sharon Bolton, Thriller
Copyright: Manhattan
Etwas kühle, aber nicht zu kalte Gänsehaut für den anstehenden Sommerurlaub gefällig? Dann könnte dieser Mysterythriller etwas für euch sein! Sharon Boltons „Er liebt sie nicht“ zählt zu den Büchern, die auf eine nahezu unblutige Weise fesseln können. Miträtseln ist ausdrücklich erwünscht. Allerdings müsst ihr euch dafür auf äußerst sonderbare Charaktere einlassen. Ihr werdet feststellen, dass ihr diesen nicht wirklich nahe kommen könnt. Vermutlich werdet ihr sie ziemlich seltsam finden, eventuell sogar paranoid. Das ist aber beabsichtigt und Teil des Plans.

Im Einzelnen hätten wir da:
- Maggie Rose, blauhaarige Starstrafverteidigerin und Bestsellerautorin von True-Crime-Storys, die darauf spezialisiert ist, Serienkiller aus dem Gefängnis zu holen
- Hamish Wolfe, ein charismatischer Womanizer und Arzt, der seit zwei Jahren für den Mord an drei Frauen einsitzt und sich von Maggie Rose Hilfe erhofft
- sowie Detective Pete Weston, der Wolfe hinter Gitter gebracht und ein persönliches Interesse daran hat, dass alles so bleibt, wie es ist. Sprich: Wolfe hinter Gittern.

Im Grunde besteht die Geschichte hauptsächlich aus wiederkehrenden Aufeinandertreffen der Protagonisten, von denen man - wie so oft in dem Genre - nicht zuviel erwarten sollte. Sie sind dazu da, der Handlung die nötige Würze und nicht unbedingt auffallende Tiefe zu verleihen. Mir hat die Atmosphäre in dem Buch aber so gut gefallen, dass ich mich daran auch überhaupt nicht gestört habe. Der ruhige, aber durchgängige Suspensefaktor hat mich wunderbar durch die Seiten getragen. Die Charaktere agieren verschlossen, misstrauisch, teilweise manipulativ - keine Sympathieträger, aber sie regen die grauen Zellen an. Schnell wird klar: Alle haben ihre Geheimnisse. Die Frage ist: Welche Geheimnisse sind entscheidend für die Auflösung? Sharon Bolton spielt auf Zeit und gibt Details nur sehr langsam preis, schreibt aber so unterhaltsam und variierend, dass sich das Buch wegliest wie nichts. So beinhalten einige Kapitel E-Mails, Briefe und Aktenvermerke, die zusätzlich für Abwechslung im Lesefluss sorgen. Ganz langsam fügen sich die Puzzleteile auf diese Weise zusammen. Allerdings sollte man auf der Hut sein, denn es gibt ein paar gemeine Stolpersteine.

Somit kommen wir zu dem Teil des Buches, der mir ein wenig Kopfschmerzen bereitet - der Auflösung. Wobei das Ganze etwas kniffelig ist. Denn ohne den Knalleffekt am Ende, wäre der Teil davor auch nicht denkbar, der mir ja wiederum gut gefallen hat. Im Grunde mag ich den Mechanismus der Auflösung sogar, denn er funktioniert ähnlich wie ein Taschenspielertrick. Wenn man sich das Ganze allerdings genauer betrachtet, ergibt vieles hinten und vorne wirklich keinen Sinn mehr und sowas stört mich immer enorm. Daher war die Enttäuschung bei mir ziemlich groß. Ganz konkret habe ich mich auch über ein, zwei Szenen geärgert, in denen die Autorin bewusst (rückblickend aber leider etwas plump) Täuschungsmanöver einbaut. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl im Sinne des miträtselnden Lesers wäre da schön gewesen.

Fazit: Wer Freude an ruhigen, psychologischen Thrillern hat, es mit der Logik nicht ganz so eng sieht und Auflösungen mit Knalleffekt mag, dem würde ich einen Blick in „Er liebt sie nicht“ empfehlen, denn die unergründlichen Charaktere laden wunderbar zum Miträtseln ein und sorgen für viel geheimnisumwobene Spannung. Andere Leser waren im Gegensatz zu mir vom Ende ausgesprochen begeistert, so dass dieser Kritikpunkt für mich in die Rubrik "Geschmackssache" fällt.


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Originaltitel: Daisy in Chains
Übersetzung: Marie-Luise Bezzenberger
Broschiert: 480 Seiten 
Verlag: Manhattan
Erscheinungstermin: 3. Oktober 2016 
ISBN: 978-3442547678

Kommentare:

Janna von KeJas-BlogBuch hat gesagt…

Also ruhige Psychothriller mag ich sehr, aber fehlende Logik (ob im Kleinen oder Großen) bin ich nicht so der Fan von. Das Buch ist dennoch auf meiner WuLi, denn die Meinungen dazu sind sehr durchwachsen, da hilft nur: selbst Meinung bilden ;)

Eine gut und klar differenzierte Buchbesprechung, die trotz der Kritik neugierig auf die Geschichte im Buch macht.

Liebe Grüße
Janna

Lex hat gesagt…

Hi Janna.

Danke dir. :-)
Ja, es ist wieder eines der Bücher, die gewisse Längen haben, was mich persönlich meistens nicht so stört, andere aber schnell als langweilig empfinden. Eigentlich glatte vier Punkte... aber dieses Ende. Zum einen kam da plötzlich so eine Sidelovestory daher, die ich zu übertrieben fand und naja die ganze Geschichte baut leider auch auf bestimmten Annahmen auf, die - wenn ich mir das im realen Leben vorstelle - schon ziemlich hirnrissig sind. ;-) Ich habe mir mal eure Rezi zu "Die Falle" angeschaut und glaube - aber nagel mich lieber nicht drauf fest -, dass du mit dem Ende auch nicht ganz zufrieden wärest. Würde mich aber sehr interessieren. Vielleicht irre ich mich.

Liebe Grüße,
Alex

Janna von KeJas-BlogBuch hat gesagt…

Eure Rezi - feinst :D Wir schreiben schon jede für sich, das würd nix werden ein Buch gemeinsam zu rezensieren ;)

Ja, "Die Falle" war wirklich super nur eben das Ende ... da hätte sich Melanie Raabe mehr trauen dürfen! "Er liebt sie nicht" werde ich bestimmt irgendwann lesen - gibt ja zum Glück auch das Bloggerportal, dort steht es auf der Merkliste.

Hab einen feinen Wochenstart!

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