Freitag, 24. März 2017

[Rezension] "Mein schönes falsches Leben" von Hilary Freeman

"Mein schönes falsches Leben" von Hilary Freeman, Jugendbuch
Copyright: Loewe
Die 17jährige Ella wacht eines Morgens auf und alles ist fremd. Ihr Zimmer ist anders möbliert, sie hat keinen Kurzhaarschnitt mehr, sondern lange Haare, ihre Mutter sieht verändert aus und anscheinend hat Ella auch einen völlig neuen Freundeskreis, während ihre alten Freunde sie nicht mehr zu kennen scheinen. Es ist, als hätte jemand Ellas Leben gegen das einer anderen Ella getauscht.

So beginnt Hilary Freemans „Mein schönes falsches Leben“, ein Buch, das ich an zwei Nachmittagen sehr gerne durchgeschmökert habe. Der Einstieg fällt auch wirklich nicht schwer. Der Schreibstil ist leicht und fließend und die Autorin baut gleich auf den ersten Seiten eine unterschwellige, leise Spannung auf, die sich durch das ganze Buch zieht.


Was die Handlung angeht, so hatte ich keine wirkliche Vorstellung, was auf mich zukommt. Vage geisterte der Begriff „Parallelwelt“ durch meinen Kopf, das war auch schon alles. Der Begriff suggeriert – jedenfalls war das bei mir so - eine Fantasygeschichte, aber eigentlich kann man den Plot nur schwer in eine Schublade stecken. Theoretisch könnte man „Mein schönes falsches Leben“ auch in einem übertragenen Sinne als fantasievolle, literarische Herangehensweise an die Themen "Identitätkrisen" und "Erwachsenwerden" lesen. Oder man bleibt beim Naheliegenden und spielt die Theorie der Parallelwelt für sich durch, was eigentlich nichts anderes bedeutet, als dass wir ständig Entscheidungen treffen, die sich auf unser Leben auswirken und die manchmal große, manchmal kleine Veränderungen nach sich ziehen. Je nachdem, wie wir uns entscheiden, entwickelt sich die Zukunft. Und Ella befindet sich auf einem von vielen möglichen Abzweigungen ihres Lebens.

Nun darf man Ella begleiten, wie sie versucht, einen Weg zurück zu finden und wie sie nach und nach entdeckt, in welchen Punkten sich das Leben dieser anderen Ella von ihrem bisherigen unterscheidet. Sie bemüht sich, alles wieder in die gewohnten Bahnen zu lenken und sich auch ihren alten Freunden zu nähern, vor allem ihrer besten Freundin Deeta und ihrem Freund Billy. Dabei gibt es die eine oder andere Überraschung für den Leser, wirkliche Dramatik entwickelt sich aber nicht. Die Geschichte nimmt auf eine realistische, ruhige Weise ihren Lauf. Und Ella lernt einiges über sich selbst. Ab der Hälfte hätte ich mir gewünscht, dass Ella etwas mutiger neue Möglichkeiten in Betracht zieht, statt vorwiegend ihrem alten Leben hinterher zu jagen. Das hätte auch innerhalb des steten, aber nicht allzu steilen Spannungsbogens noch einmal einige Akzente gesetzt. Andererseits ist es verständlich, dass man wiederhaben möchte, was man kennt und was einen ausmacht, egal ob es nun perfekt ist oder nicht. Daher konnte ich Ellas Gefühle und Beweggründe fast immer gut nachempfinden.

Da ich solche dezent-spannenden Geschichten ganz gerne lese, hat mir das Buch im Grunde gut gefallen. Und wäre da nicht dieses seltsame Finale, hätte ich wenig zu bemängeln. Ich möchte nicht spoilern, aber die Figur des jungen (und zunehmend dubiosen) Physikstudenten Daniel und seine Lösung für Ellas Problem ließ in meinem Kopf ein großes, verdattertes Fragezeichen entstehen. Und zwar ganz egal, wie man das Buch nun versteht, ob als Coming-of-Age-Variante oder als Roman zum Thema Parallelwelten. Diese Wendung hatte für mich einen bitteren Beigeschmack.

Das Ende bleibt übrigens ein wenig offen, glücklicherweise! Zwei, drei Seiten weniger und es wäre mir absolut suspekt gewesen.

Fazit: Ruhige, unterschwellig spannende Geschichte, die sich angenehm und flott lesen lässt. Mischung aus Selbstfindung und Fantasy. Das Ende versehe ich mal mit einem etwas unentschlossenen „Hm“.




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Mein schönes falsches Leben von Hilary Freeman
Übersetzerin: Ulrike Köbele
Originaltitel: When I was me
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Loewe

Erscheinungstermin: 13. März 2017
ISBN: 978-3785584484
Altersempfehlung: 13 - 16 Jahre



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