Montag, 5. Dezember 2016

[Interview] Nachgefragt bei Anna Pfeffer

Mit ihrem Jugendbuch „Für dich soll’s 1000 Tode regnen“ haben Anna Pfeffer nicht nur uns von "Kathrineverdeen" in diesem Jahr begeistert, sondern einen regelrechten Triumphzug durch die Blogger- und Lesewelt gestartet. Deswegen wird es Zeit für einen neuen Beitrag zu ...? Richtig! 




Frech und witzig erzählen Anna Pfeffer darin die Geschichte von Teenager Emi, die eine ungewöhnliche Marotte hat: Wer ihr blöd kommt, dem wünscht sie in Gedanken einen skurrilen Tod an den Hals. Als der arrogante Eric auftaucht, werden Emis Todesphantasien auf einen Schlag noch sehr viel kreativer… und ihr Liebesleben höllisch kompliziert.

Die Urheberinnen dieser wunderbar verrückten Idee sind Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit, zwei Freundinnen, die gemeinsam unter verschiedenen Pseudonymen schreiben. Woher sie einige ihrer absurden Ideen haben, wie das eigentlich mit dem Schreiben zu zweit klappt und einiges mehr, das haben uns die beiden trotz viel Arbeit (gerade ist mit „17 – Das zweite Buch der Erinnerung“ ein weiterer Band zu ihrer neuen Trilogie erschienen, der nächste Teil soll noch vor Weihnachten rauskommen) verraten.
Wundert Euch übrigens nicht, wenn ihr in den Antworten weder den Namen Carmen noch Ulli lesen könnt… wenn’s ums Schreiben geht, machen die beiden nämlich alles zusammen, auch Interviewfragen beantworten.

Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit
Carmen Schmit und Ulrike Mayrhofer
Lex: Liebe Ulli, liebe Carmen. In Eurem Buch „Für Dich soll’s tausend Tode regnen“ denkt sich Emi für Leute, über die sie sich ärgert, skurrile Todesarten aus. Wie viele Tode habt Ihr Euch gegenseitig gewünscht, während ihr das Buch geschrieben habt? Zwei kreative Köpfe, eine Geschichte – da ist es bestimmt nicht immer leicht, an einem Strang zu ziehen. Andererseits kennt Ihr Euch ja schon sehr lange und sehr gut… 

Anna Pfeffer: Das stimmt, wir kennen uns schon richtig lange. Inzwischen sind wir seit 22 Jahren befreundet und auch beim Schreiben so ein eingespieltes Team, dass wir uns gegenseitig keine Tode an den Hals wünschen. Allerdings können wir uns gut vorstellen, dass es uns mal gemeinsam erwischt, wenn wir schon uralt sind und mit zittriger Hand versuchen, eines unserer Bücher aus dem hohen Bücherregal zu ziehen. Eine von uns wird auf der Leiter stehen, die andere unten … und dann könnte das Schicksal seinen Lauf nehmen … ;)  

Lex: Emi ist ein typischer, meistens schlecht gelaunter, Teenager. Ich hatte beim Lesen lebhafte Erinnerungen an meine eigene Jugend. Wie habt Ihr die Figur so realistisch zum Leben erweckt? Stecken in Emi Eure eigenen Jugend-Ichs? Oder gibt es in Eurem Freundes- und Verwandtenkreis Jugendliche, an denen Ihr sozusagen „Forschungen am lebenden Objekt“ betreiben konntet? 

Anna Pfeffer: Tatsächlich steckt ein kleines bisschen von uns beiden in Emi. Wir hatten auch eine schwarze Phase in unserer Jugend (allerdings haben wir uns da keine Todesarten ausgedacht, sondern einfach nur schwarze Kleidung gekauft. ;)) Und ja … Emis erfrischend negative Denke ist uns auch vertraut. Vor allem aber können wir uns noch gut erinnern, wie es sich angefühlt hat, seinen Platz in der Welt zu suchen und glauben, es geht ganz vielen jungen Menschen so. 

Für dich soll`s tausend Tode regnen von Anna Pfeffer
Bildquelle: cbj
Lex: Emi besitzt ein schwarzes Buch, in dem sie seltsame Todesarten sammelt. Hattet Ihr in Vorbereitung auf Eure Geschichte auch ein solches Buch, in dem Ihr verrückte Tode aus der Presse oder dem Internet zusammengetragen habt? Oder sind Euch die „Tode“ spontan beim Schreiben eingefallen. 

Anna Pfeffer: Wir haben uns sehr viele Tode im Buch spontan ausgedacht, weil sie gerade zur Situation gepasst haben. Allerdings haben wir auch skurrile Todesarten recherchiert und sind dabei z.B. auf die Japanerin gestoßen, die Selbstmord begangen hat, indem sie einfach so viel Klopapier gegessen hat, bis sie daran erstickt ist. Das klingt so verrückt, dass man es im ersten Moment für erfunden hält – und genau solche Tode haben es dann auch in unser Buch geschafft. 

Lex: Wie funktioniert das eigentlich bei Euch? Ihr wohnt viele Kilometer weit voneinander entfernt - die eine in Hamburg, die andere in Wien. Ist es da nicht schwer, gemeinsam ein Buchprojekt zu stemmen? Wie tauscht ihr Euch aus? Täglich? Über Mails? Skype? Whatsapp? Oder trefft Ihr Euch regelmäßig? 

Anna Pfeffer: In letzter Zeit haben wir uns durch unsere Lesungen zwar häufiger gesehen, doch die uneingeschränkte Kontaktform Nummer 1 ist und bleibt Skype. Wir skypen beinahe täglich und haben das Programm sogar in unserer ersten Danksagung erwähnt. J Ohne Skype und Schokolade ginge nämlich gar nichts! Abgesehen davon schicken wir uns jede Woche unzählige E-Mails, in denen wir uns kurz abstimmen oder unsere Texte zum Korrekturlesen versenden. Ein Hoch auf die Technik! 

Lex: Seid Ihr Euch in Eurer Arbeitsweise denn sehr ähnlich? Habt ihr feste Zeiten zu denen Ihr arbeitet und ein festes Pensum? Und seid Ihr sehr diszipliniert? 

Anna Pfeffer: Nein, wir sind eigentlich unterschiedliche Typen, aber genau das empfinden wir auch als Stärke. Ein festes Pensum gibt es dennoch. Wir teilen uns die Kapitel untereinander auf und vereinbaren, bis wann wir sie dem anderen schicken. Da wir mit Deadlines arbeiten geht es auch nicht ohne Disziplin – wobei das Feedback unserer Leser uns ungemein hilft, uns zu motivieren! 

Lex: Kommt es vor, dass eine von Euch mal gar nicht weiterkommt mit einem Kapitel? Und holt Ihr Euch dann gegenseitig aus Schaffensflauten heraus? Oder gab es so etwas wie eine Schreibblockade bei Euch bisher gar nicht? Ihr seid ja sehr fleißige Schreiberlinge… 

Anna Pfeffer: Richtige Schreibblockaden in dem Sinn, dass gar nichts mehr ging, hatten wir noch nicht. Aber natürlich kann man schon mal bei einer Szene feststecken. Oft reicht es dann, über die Sequenz zu sprechen, um dahinterzukommen, wo es hakt.

Noch eine Sache zum Thema Blockaden: Wenn man schreiben möchte, aber nicht kann, dann hilft es, den inneren Lektor auszuschalten. Soll heißen: einfach runterschreiben, ohne darüber nachzudenken, ob das jetzt gut genug ist. Denn alles, was mal da steht, kann überarbeitet werden. Eine weiße Seite hingegen nicht. 

Lex: Warum schreibt Ihr eigentlich unter Pseudonym? Anna Pfeffer ist ja nicht das einzige; unter dem Namen Rose Snow veröffentlicht Ihr zum Beispiel die „Acht Sinne“-Reihe. Und – wenn wir schon beim Thema sind - warum habt Ihr Euch für wechselnde Namen entschieden? Wie kommen diese zustande? 

Anna Pfeffer: Oh, also unsere Pseudonyme haben auch wieder eigene Geschichten. Unsere Selfpublishing-Bücher mit dem Schwerpunkt Fantasy veröffentlichen wir unter dem Namen Rose Snow, da bei einem Autorenworkshop zwei Teilnehmer unabhängig voneinander meinten, wir würden sie an Schneeweißchen und Rosenrot erinnern.
Und für unsere Verlagsbabys im Kinder- und Jugendbuchbereich haben wir das Pseudonym Anna Pfeffer gewählt. Es soll einerseits transportieren, dass wir deutschsprachige Autorinnen sind und gefällt uns auf der anderen Seite sehr gut, weil „Pfeffer“ auch zu dem rotzig-frechen Ton unserer Geschichten passt. 

Lex: Ihr schreibt Jugendbücher und Fantasy-Romane, gefühl- und häufig humorvoll. Sind dies die Genres, die Ihr auch selbst am liebsten lest? Welche Bücher oder Buchreihen gehören privat zu Euren liebsten? 

Anna Pfeffer: Wir lesen privat ganz viel querbeet und es gibt eigentlich kein Genre, mit dem wir gar nicht können. Grundsätzlich vertreten wir die Ansicht, dass es für jede Lebenslage das richtige Buch gibt – oder die richtige Abteilung in der Lieblingsbuchhandlung ;)
Auf alle Fälle lieben wir „Die unendliche Geschichte“, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und „Harry Potter“ (das letzte Buch zu lesen, war wie Nachhause kommen!). 

Lex: Könntet Ihr Euch vorstellen, auch mal ein ganz anderes Genre auszuprobieren? Wie wäre es mit einem Thriller? 

Anna Pfeffer: Im Moment nicht. Wir fühlen uns im Kinder- und Jugendbuch bzw. in unserer Fantasy-Ecke so wohl, da wollen wir nicht weg. Außerdem lieben wir es, unsere Leser zum Lachen oder Seufzen zu bringen – und wären damit wahrscheinlich keine besonders guten Thrillerautorinnen ;) 

Lex: Und eine letzte Frage, die bestimmt viele Eurer LeserInnen interessiert: Die Acht-Sinne-Reihe wird immer noch fortgesetzt. Ihr habt anscheinend noch viele Ideen für dieses Gemeinschaftsprojekt und auch für ein paar andere. Wird es künftig trotzdem mal einen Roman von Carmen Schmit oder Ulrike Mayrhofer alleine geben? 

Anna Pfeffer: Da wir persönlich die Erfahrung gemacht haben, dass unsere Bücher durch unser gemeinsames Schaffen und unsere unterschiedlichen Blickwinkel auf die Geschichte immer gewinnen, ist das nicht geplant. Außerdem macht es uns einfach zu viel Spaß eine Buchidee gemeinsam zu entwickeln und wachsen zu sehen.

Wir von "Kathrineverdeen" freuen uns sehr, dass Anna Pfeffer alias Rose Snow alias Ulli und Carmen mitten im Weihnachtstrubel die Zeit gefunden haben, uns diese interessanten und amüsanten Einblicke zu gewähren.
Wer mehr über Anna Pfeffer wissen möchte, sollte die Autorinnen auf ihrer Facebookseite besuchen. 




Kommentare:

Kathrin Everdeen hat gesagt…

Hach, was für ein schönes Interview! Danke!
Ich muss endlich "Für dich soll`s tausend Tode regnen" lesen :-)

LG

lex hat gesagt…

Solltest du.... es eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Emi hat mich auf wunderbare Ideen gebracht. ;-) Das Buch macht ansonsten einfach gute Laune. Eines meiner absoluten Highlights in diesem Jahr.
Liebste Grüße

his and her books hat gesagt…

Das Interview ist wirklich klasse! Ich habe die Beiden dieses Jahr in Frankfurt auf der Buchmesse getroffen und habe sie so kennengelernt, wie sie auf die Interviewfragen geantwortet haben - authentisch :-) Natürlich habe ich im Anschluss auch "Für dich solls tausend Tode regnen" gelesen und kann das Buch echt empfehlen! Danke für diesen tollen Post :-)

Liebe Grüße, Kay

lex hat gesagt…

Ach, wie schön, dass es dir gefallen hat, Kay. Ich hatte im Vorfeld ein paar Mal Kontakt mit den beiden... leider nur per Mail. Aber sie sind unheimlich nett und bodenständig und wirken, wie du schon sagst, total authentisch.
Liebe Grüße
Alex

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