Samstag, 12. November 2016

[Rezension] "Hilo: Der Junge, der auf die Erde krachte" von Judd Winick

Hilo: Der Junge, der auf die Erde krachte von Judd Winick
Copyright: POPCOM
Er kommt aus einem anderen Universum, fällt mit einem lauten BUMM auf die Erde und hat unglaubliche Kräfte. Nein, ich spreche nicht von dem Herrn, der Telefonzellen als Umkleidekabine missbraucht. Superman war gestern. Jetzt kommt Hilo! Ein Comicheld, der ausnahmsweise einmal genau für die Altersgruppe geschaffen wurde, die von Superhelden am meisten begeistert ist: Kinder!
Die Idee zu „Hilo“ hatte der Zeichner und Autor Judd Winick, der an Serien wie Green Lantern und Green Arrow beteiligt war, für Marvel und DC geschrieben hat, aber irgendwann bedauernd feststellten musste, dass er seine eigenen Arbeiten nicht gemeinsam mit seinem siebenjährigen Sohn lesen konnte, weil sie nicht altersgerecht waren.

Für „Hilo: Der Junge, der auf die Erde krachte“ hat Winick daher Muster von Superheldengeschichten - Gut gegen Böse, Kampf und Action, übermenschlichen Fähigkeiten - massiv vereinfacht und das Tempo derart gedrosselt, dass ich die Altersempfehlung (10-12 Jahre) erstmals als zu hoch gegriffen erachte. Meiner Ansicht nach kann der Comic ohne Weiteres von den jüngsten Grundschulkindern gelesen werden. Zumal die Geschichte trotz ihrer Schlichtheit und viel KARUMMS und WUMMS Wirklichkeitsnähe beweist, indem sie Probleme anspricht, mit denen Kindern heutzutage konfrontiert sind.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst: D.J. ist oft einsam. Obwohl er als Sandwichkind mit zwei älteren Brüdern und zwei jüngeren Schwestern aufwächst und es selten leise bei ihm zuhause ist, fehlt ihm ein Spielkamerad. Doch seit D.J.s beste Freundin Gina weggezogen ist, treibt er allein und ziellos durch den Alltag. Mit Trübsalblasen ist Schluss, als plötzlich ein Junge in einer silbernen Unterhose vom Himmel fällt, Gina überraschend zurückkehrt und einige grimmige Robotermonster auftauchen. Jetzt bleibt ihm kaum noch Zeit zum Luftholen!

Viel nachdenken müssen junge Leser in diesem ersten Band nicht. Im Grunde geschieht nichts weiter, als dass Hilo vom Himmel fällt, D.J. ihn mit zu sich nach Hause nimmt und gegen ein paar Monster kämpfen muss. Wohl dosiert platziert Judd Winick einige kleine Rätsel, die man gemeinsam mit Hilo lösen kann. Denn das Kind aus dem Himmel hat keine Erinnerung daran, woher es kommt, aber die Ahnung, dass es eine Bestimmung hat und ein paar Gedankenfetzen an ein Wesen namens Razorwark.

Dazwischen gibt es genau die Art Witze, über die jüngere Kinder zum Befremden von Erwachsenen lauthals lachen können. Beispielsweise, wenn Hilo aus vollem Herzen rülpst (und Hilo rülpst viel!), wenn er wild Ahhhhh kreischt, weil er glaubt, dies sei die offizielle Begrüßungsform auf der Erde oder nach einem Essen in einen komaähnlichen Tiefschlaf fällt. Hier mag dem erwachsenen Leser der feinhumorige Schliff fehlen, für Kinder ist es genau das Richtige.

Der Comic ist süß gestaltet, in knallig-bunten Farben, die man seitenweise einfach auf sich wirken lassen kann, da einige Kampfszenen völlig ohne Text auskommen. So kann auch das faulste Lesefaultier dieses Abenteuer schnell durchleben.

Ohne überspanntes Drama, wenngleich etwas konfus eingestreut, zeigt uns Winick nebenbei Dinge, die Gina und D.J. belasten und richtet sich damit vielleicht an die Mütter und Väter, die dieses Comic zusammen mit ihren Kindern lesen. D.J. etwa glaubt kein einziges Talent zu besitzen. Während seine Geschwister und Mitschüler allesamt mit besonderen Leistungen glänzen, hält sich D.J. für völlig unbegabt und leidet unter Selbstzweifeln. Gina hingegen kann alles und macht alles und das ist fast schon zu viel. Aber Freizeit gestattet sie sich nicht, zumal sie gar nicht wüsste, was sie damit anfangen sollte. Ihre Eltern haben ohnehin keine Zeit für sie. So hallt „Hilo: Der Junge, der auf die Erde krachte“ wohltuend leise der Ruf nach Individualität, Freiraum und Aufmerksamkeit nach.

Habe ich Kritik? Nun, den Figuren fehlt meiner Meinung nach ein Quäntchen Profil und Eigenheit, damit man sie besser kennenlernen kann, der Geschichte ein klein wenig Raffinesse. Aber alles in allem ist "Hilo: Der Junge, der auf die Erde krachte" ein wunderbares Comic für junge Superheldenfans über einen ganz jungen Superhelden, der unnötige Härte ausspart und mit der einen oder anderen Überraschung glänzt. Nicht kindgerecht ist allenfalls der Preis, der mit 14 Euro durchaus beachtlich ausfällt. Allerdings ist die Aufmachung dieses Comics wirklich hochklassig, handlich und buchartig mit einem festen Einband. In Relation zu manch einem (ebenfalls nicht ganz billigen) Heftchen vom Kiosk tut der Preis nur halb so weh. Das Taschengeld dürfte in vielen Fällen trotzdem nicht ganz reichen. Daher eignet sich „Hilo: Der Junge, der auf die Erde krachte“ vermutlich eher als Geschenk von Mama und Papa. Die Geschichte endet übrigens mit einem gemeinen Cliffhanger, den man nun leider geduldig ertragen muss. Denn Band zwei erscheint voraussichtlich erst im Frühjahr 2017.




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Hilo 01: Der Junge, der auf die Erde krachte von Judd Winick 
Gebundene Ausgabe: 200 Seiten 
Verlag: POPCOM
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2016 
ISBN: 978-3842030817 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 - 12 Jahre

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