Samstag, 6. August 2016

[Rezension] "Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer" von Mario Fesler

Bildquelle: Magellan
In meiner Jugend gab es viele Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass das Leben ein richtiges Miststück ist. Besonders in der Pubertät wurde ich, dank meines Körpers im Ausnahmezustand, zu einem chronisch nörgelnden und frustrierten Teenager und zum Albtraum meiner Eltern. Über diese längst vergangenen und prägenden Probleme kann ich heute jedoch nur noch lachen. Weniger zu lachen hat die dreizehnjährige Lizzy Carbon, denn die Pubertät hat das zierliche und süße Mädchen mit wunderschönen Locken in eine hormongesteuerte und aufbrausende Jugendliche mit zotteligen Haaren verwandelt. Aber nicht nur ihr Körper hat sich in eine unberechenbare Zone verwandelt. Ihre Eltern verstehen Lizzy nicht mehr und ihre Klassenkameraden schauen auf sie herab und manövrieren sie in eine Außenseiterposition, aus der sie trotz aller Bemühungen, nicht mehr herauskommt. Es ist wie verhext, denn egal wie viel Mühe sich Lizzy auch gibt, watet sie von einem Fettnäpfchen ins nächste. Als sie dann bei einer Besprechung in ihrer Schule einen ihrer Gedanken im falschen Moment laut ausspricht, ist ihr Unglück perfekt: Zusammen mit allen anderen Außenseitern der Unterstufe – dem Klub der Verlierer -, darf sie nun ein eigenes Projekt für das Schulfest auf die Beine stellen. Da ist eine erneute Niederlage vorprogrammiert.

Dieser sogenannte Klub der Verlierer enthält eine bunte Mischung von Jugendlichen, deren Glauben, Figurprobleme, bizarre Eigenarten oder ihre Herkunft sie zu einem Außenseiter macht. Sie alle haben sich ihrer Außenseiterposition angepasst und sich mehr und mehr zurückgezogen, weil sie allein waren. Im Laufe der Geschichte erkennt nicht nur Lizzy, was sich hinter den von ihnen mühsam errichteten Fassaden verbirgt. Auch wir Leser werden zu Zeugen und mit eindringlichen Themen konfrontiert. Wir erfahren, warum diese Jugendlichen ihr wahres Ich hinter dicken Mauern verstecken und erleben kleinere Rebellionen gegen die äußeren Umstände und die erlernten Strukturen und bemerken viele Veränderungen innerhalb dieser Gruppe. Und schon bald stellt sie fest, dass eine Niederlage nicht so vorprogrammiert, wie alle denken …

Mario Fesler beschreibt in einem sehr anregenden und humorvollen Stil die Situation einer starken, sympathischen, manchmal deprimierten pubertierenden Außenseiterin, die sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden möchte. Mit Lizzy hat er eine authentische literarische Figur erschaffen, die den Leser mit ihrer schlagfertigen und sarkastischen Art bestens unterhält. Absolut nachvollziehbar ist jedoch nicht nur Lizzy, auch alle anderen Charaktere wurden präzise gezeichnet und ihre gewichtigen Probleme eindringlich geschildert ohne sie zu verharmlosen.

Lizzy Carbon war für mich eine ganz besondere Protagonistin. Denn sie hat mich mit ihrer sarkastischen und humorvollen Art und ihrer Begeisterung für das zum Scheitern verurteilte Projekt und ihr Interesse für die Menschen, die daran beteiligt sind, oft zum Lachen gebracht und aus einem absoluten Stimmungstief geholt.

„Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer“ von Mario Fesler lebt vor allem von dem trockenen Humor seiner literarischen Hauptfigur Lizzy und besticht zusätzlich durch eindringliche Themen und viel Situationskomik, die nicht nur den Nerv der Zielgruppe treffen. Leser, die sich noch gut an die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens erinnern können, werden mit diesem Buch viele schöne Lesestunden verbringen. 




Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer von Mario Fesler 
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten 
Verlag: Magellan
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2016 
ISBN: 978-3734850257 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre

Kommentare:

Anja Druckbuchstaben hat gesagt…

Hey =)

Noch so eine schöne Rezi zum Buch. Ich freue mich schon total Lizzy Carbon endlich aufzuschlagen =).

LG
Anja

Kathrineverdeen hat gesagt…

Hey Anja,

ich fand es großartig und ich hoffe, dass du genauso viel Spaß mit diesem Buch hast wie ich.

LG

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