Dienstag, 30. August 2016

[Rezension] "Glück ist, wenn man trotzdem liebt" von Petra Hülsmann

Bildquelle: Bastei Lübbe
„Wohlfühllektüre“, „Frauenroman“, „Sommerschmöker“… Ihr kennt diese Bezeichnungen, die alles und nichts sagen, die ganz gut die Richtung angeben, aber eine ernorme Spannweite haben und damit einfach zu viele unterschiedliche Bücher in einer einzigen Schublade versenken. Obwohl ich diese Worte selbst sicher auch schon gewählt habe, mag ich sie eigentlich nicht besonders. Vielleicht geht es Euch ähnlich. Irgendwie verbindet man damit auch anspruchslos, seicht und kitschig und deshalb schrecke ich vor sogenannten Wohlfühlbüchern immer etwas zurück.

Diesmal hat es aber doch ein (grrrr!) Sommerschmöker in mein Urlaubsgepäck geschafft. „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ von Petra Hülsmann geistert ja schon seit Langem durch die Internetplattformen bis hoch in die Spiegel-Bestsellerliste und wird mit Lob überschüttet. Es ist übrigens der erste deutsche Frauenroman (ups!), der seit Kerstin Gier in meinem virtuellen Bücherschrank gelandet ist. Kerstin Gier hat in puncto Humor und Erfindungsreichtum schlicht Maßstäbe in dem Genre gesetzt, an die nur schwer heranzukommen ist.   
Petra Hülsmann werde ich allerdings im Auge behalten. Ihr und mein Humor schwingen auf derselben Frequenz. Noch dazu erzählt die Autorin eine wirklich zauberhafte Geschichte, die mir trotz einiger Klischees einen Urlaub im Urlaub verschafft hat.

In „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ geht es um Isabelle, die als Floristin in Hamburg arbeitet und sehr heikel mit ihren Gewohnheiten ist. Jede Abweichung ist vor allem eines: schlecht! Und so betritt Isa mit einem ganz miesen Gefühl das neue Restaurant, das gegenüber dem kleinen Blumenladen, in dem sie arbeitet, ihren heiß geliebten Vietnamesen samt seiner Nudelsuppe vertrieben hat! Mangoldpesto? Schokoladenmalheur? Diesen hippen Unsinn kann Isa ungegessen für sich ausschließen und versucht stattdessen Koch Jens sehr energisch davon zu überzeugen, Nudelsuppe auf die Speisekarte zu setzen. Da ist sie bei dem unwirschen Jens gleich an der richtigen Stelle! Denn der schaltet auf stur und so kommt es, wie es kommen muss: Vor Isa steht alsbald eine große Portion Mangoldpesto!    
Mit Jens beginnt eine Spirale von Veränderungen in Isas Leben, die weit über Pesto hinausgehen. Da ist Jens’ schwierige Tochter Merle, die sich an Isas Fersen heftet, der verrockte Knut, der plötzlich Liebestipps von Isa haben möchte, Chefin Brigitte, die seit Neuestem seltsam bedrückt wirkt und natürlich Jens selbst, der Isa mit seinem rauen Charme mehr beschäftigt, als sie sich selbst eingestehen möchte.

Also gut, okay, ich gebe es zu … es ist (!) ein Wohlfühlbuch. Ich habe mich immer wie eine Schneekönigin gefreut, wenn auf unserem Campingplatz mal wieder zufällig die Hängematte frei war (was selten genug der Fall war), ich mich verkrümeln und in die Geschichte abtauchen konnte. Dann bin ich unter blauem Himmel hin- und hergeschaukelt, habe vor mich hingekichert und geseufzt, wenn im Buch wieder einmal lecker und außergewöhnlich gekocht wurde (denn was ist der Klassiker der Campingküche? Schnödes Mirakuli!).    
Gefreut habe ich mich aber auch über die vielen kleinen Ideen, die Petra Hülsmann unterbringt. Im Roman schaut Isa beispielsweise gerne von einem versteckten Platz nahe der Startbahn Flugzeugen nach, erfindet Fantasieziele und Flugnummern. Außerdem hat sie ein Glücksmomenteglas. Immer, wenn sie etwas Schönes erlebt, schreibt sie es auf und wirft den Zettel dort hinein. Eine tolle Erinnerung an schöne Zeiten, vor allem wenn das Leben mal wieder ein Schweinehund ist.

Ich finde es furchtbar zu behaupten, ein Buch hätte keinen Anspruch: Der Anspruch dieses Buches ist es, aus einem Haufen Gestalten mit Marotten eine Liebes- und Lebensgeschichte zu erzählen, die einerseits leicht, andererseits aber nicht allzu seicht ist. Das ist Petra Hülsmann gelungen. Die Idee, eine Lovestory mit gutem Essen zu füllen, ist vielleicht nicht überragend neu (man denke an „Bella Martha“ und „Zusammen ist man weniger allein“), die Charaktere sind genretypisch auf ihre hervorstechenden Eigenschaften zusammengeschrumpft und das Ende mag etwas uninspiriert sein, aber hey… was bleibt, ist eine Geschichte fast ohne Kitsch und Knutscherei. Stattdessen mit viel gutem Essen, witzigen Dialogen, lauen Sommernächten und Träumereien von der großen, weiten Welt.

P.S.: Jetzt habe ich es doch nicht geschafft, ein paar ungeliebte Vokabeln zu vermeiden, euch aber hoffentlich trotzdem Lust auf ein schönes Frauenbuch (J) gemacht!




Glück ist, wenn man trotzdem liebt von Petra Hülsmann 
Taschenbuch: 416 Seiten 
Verlag: Bastei Lübbe 
Erscheinungsdatum: 10. Juni 2016 
ISBN: 978-3404173648 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren

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