Dienstag, 7. Juni 2016

[Rezension] "These Broken Stars. Lilac und Tarver" von Amie Kaufmann und Meagan Spooner

Copyright: Silberfisch
Zusammen mit einem gut aussehenden Jungen auf einem unbewohnten Planeten stranden - ein knisterndes Lagerfeuer vor euch, ein warmer Arm um eure Schultern, über euch die funkelnden Sterne. Wow! Mit 16 Jahren hätte mich dieser Tagtraum sehr viele Schulstunden gekostet. Stunden, in denen ich lediglich körperlich anwesend gewesen wäre, mit meinen Gedanken aber in den unendlichen Weiten des Weltalls. Amie Kaufman und meagan Spooner haben aus dieser Vorstellung einen ganzen Roman gezaubert – eine Geschichte voll zarter, aufkeimender Gefühle, die von Nicolás Atajo und Marie Bierstedt fesselnd auf Hörbuch gebannt wurden. Obwohl die Geschichte bei mir ehrlicherweise sehr viel weniger heftig eingeschlagen ist als Lilacs und Tarvers Rettungskapsel auf einem fremden Planeten, war ich fasziniert davon, mit welcher Geduld die Autorinnen ihre leise, gefühlsorientierte Story entworfen haben.
Mit Kritik möchte ich mich deshalb ausnahmsweise zurückhalten. Denn: Ob euch „These Broken Stars. Lilac und Tarver“ gefällt, ist absolut und ohne Frage reine Geschmackssache!

Enttäuscht werden wohl all jene sein, die sich eine spannende Science-Fiction-Geschichte und einen deutlichen Weltenentwurf erhofft haben. Nach einem turbulenten Start, in dem es dem jungen Kriegshelden Tarver und der reichen Industriellentochter Lilac gelingt, gemeinsam von einem abstürzenden Raumschiff zu fliehen, geht das Tempo deutlich runter. Ich will nicht behaupten, die Geschichte wird langweilig, aber die Spannung entsteht eher nebenher aus der Vorstellung, etwas könnte auf dem fremden Planeten, auf den es Lilac und Tarver verschlägt, geschehen sowie aus einigen unerklärlichen Wahrnehmungen, die Lilac fortan quälen. Der Fokus aber liegt klar auf den Gefühlen der Protagonisten und so geht es viele Stunden lang vor allem um das Abfallen von Konventionen, um Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung des jeweils anderen. Lilacs und Tarvers langer Marsch zurück zum abgestürzten Raumschiff Icarus schien mir daher vor allem ein innerer Marsch zu sein. Sicher, ab und zu regnet es, manchmal schneit es, mal taucht eine seltsame Kreatur auf. Doch alles in allem bleiben beide unbehelligt von Gefahr und Widrigkeiten.

Trotz allem handelt es sich nicht um eine Funken sprühende Liebesgeschichte, obwohl die Weichen dafür anfangs scheinbar deutlich gestellt sind: Lilac ist nicht nur hübsch, sondern das reichste Mädchen im ganzen Weltall. Tarver, ebenfalls enorm gut aussehend, ist trotz seiner Jugend bereits Kriegsheld mit poetischer Ader und Gentleman durch und durch. Beide spüren vom ersten Moment an eine starke Anziehung zueinander. Beide verleugnen ihre Gefühle. Liebe zwischen ihnen darf nicht sein, da sie unterschiedlichen Gesellschaftsklassen angehören, eine Verbindung (reinstes Mittelalter!) ein unaussprechliches no-go wäre. Und plötzlich fallen mit dem Absturz alle äußeren Zwänge weg …
Ein klischeehafter Start, ja. Und trotzdem entwickeln sich die Gefühle von Lilac und Tarver keineswegs so zielstrebig wie vermutet. Vor allem ersparen die beiden uns nach anfänglichen Animositäten die üblichen Zickereien und Machtspielchen. Schnell beurteilen sie die Situation rein handlungsorientiert und raufen sich zu einem funktionierenden Team zusammen. Kaufman und Spooner halten dabei gekonnt die Balance zwischen den Charakteren, indem sie ihre literarischen Hauptfiguren abwechselnd und sehr sympathisch erzählen lassen, und mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen ausstatten.

Tarver - hervorragend besetzt mit Nicolás Atajo - war mir zwar über lange Zeit mit seiner distanzierten, nüchternen Herangehensweise an die Situation der liebere Erzähler, aber auch Lilac mit ihrer Sensibilität und Wachsamkeit für zwischenmenschliche Schwingungen entwickelt sich zu einem gleichberechtigten Gegenpart. Marie Bierstedts Stimme, die immer irgendwo zwischen Wehmut und Wehleidigkeit schwankt, trifft den Charakter Lilacs hier einmal ausgesprochen passend.

So driftet man elf Stunden lang angenehm auf den Reflexionen der beiden Helden dahin. Wer sich auf die Geschichte einlassen kann, den treibt vor allem das Rätsel um die seltsamen Wahrnehmungen Lilacs und natürlich die Frage, ob Lilac und Tarver eine gemeinsame Zukunft haben. Hier sei verraten, dass es Amie Kaufman und Meagan Spooner am Ende reibungslos (und endlich wieder spannend) gelingt, die dezent in der Geschichte verteilten Rätsel logisch auflösen, um ihre Helden in einem kreisschließenden Finale erneut vor der Wahl zu stellen, die unterschwellig zentrales Motiv des Romans ist: Wer will ich sein? Wofür entscheide ich mich? Konvention oder Liebe?

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These Broken Stars. Lilac und Tarver von Amie Kaufmann und Meagan Spooner 
Originaltitel: These Broken Stars
Übersetzer: Stefanie Frieda Lemke
2 MP 3 CD`s: 640 min 
Verlag: Silberfisch
Erscheinungsdatum: 27. Mai 2016 
ISBN-13: 978-3867422864 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre

Kommentare:

Kathrineverdeen hat gesagt…

Ich bin schon soooooo gespannt auf diese Geschichte. Hoffentlich schlägt sie bei mir so richtig ein :-)
Was meinst du: Würdest du an meiner Stelle eher zum Buch oder zum Hörbuch greifen?

LG

lex hat gesagt…

Hm.... eine wirklich gute Frage. Das Buch ist ja sehr ruhig. Die Geschichte funktioniert, weil der Leser/Hörer sich ständig Gedanken macht, wohin es geht, was kommen mag. Kopfkino also. Da könnte ein Buch die bessere Wahl sein. Es lässt einfach noch soviel mehr eigenen Spielraum zu. Beim Lesen hat man seine eigenen Stimmen im Kopf, man füllt die Figuren selbst mit Leben und manchmal ist man regelrecht enttäuscht, wenn man dann das Hörbuch hört, weil sich der Tonfall einfach nicht deckt.
Ob dir das Hörbuch gefällt, hängt vor allem auch davon ab, ob du die Sprecher magst. Am besten, du hörst mal rein.... ich bin seeeehr gespannt, wie stark die Einschlagskraft bei dir ist; -)

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