Dienstag, 17. Mai 2016

[Rezension] "Holmes und ich – Die Morde von Sherringford" von Brittany Cavallaro

"Holmes und ich – Die Morde von Sherringford" von Brittany Cavallaro
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Da ich ein absoluter Sherlockfan bin, habe ich mich auf den Roman „Holmes und ich - Die Morde von Sherringford“ von Brittany Cavallaro besonders gefreut und vielleicht ein bisschen zuviel erwartet. Leider wurde ich mit dem Jugendbuchdebüt der US-Amerikanerin nicht ganz warm. Zuwenig Kriminalfall und zuviele Beziehungsprobleme ließen mich nicht so recht in die Geschichte finden. Und das, obgleich die Autorin viele Ähnlichkeiten zu den berühmten Vorbildern schafft und mehrfach auf Doyles Geschichten Bezug nimmt. Aber vielleicht liegt genau hier das Problem!

Erzählt wird der Roman (wie könnte es anders sein) aus der Sicht von Jamie Watson, Nachfahre des berühmten Dr. John Watson, treuer Begleiter und Chronist von Sherlock Holmes. Jamie hat ein Stipendium in einem Elite-Internat in den USA bekommen und verlässt schweren Herzens das gute alte London. Allerdings kann er es kaum erwarten dort die gleichaltrige Charlotte Holmes kennenzulernen, deren Vorfahre einst der beste Freund von Dr. Watson gewesen ist. Obgleich Jamie sich vom ersten Moment an magisch von der verschlossenen Charlotte angezogen fühlt, scheint diese nichts für den angehenden Schriftsteller übrig zu haben. Erst als ein Mitschüler ums Leben kommt und Jamie und Charlotte des Mordes verdächtigt werden, kommen sich die beiden näher ...

Die Idee, einen Kriminalfall von Nachfahren des berühmten Ermittler-Duos in der heutigen Zeit lösen zu lassen, fand ich erst einmal toll. Nicht überzeugt hat mich die Umsetzung. Die Autorin versucht die Figuren nahe an den Originalen zu halten, spickt deren Biografie aber mit schweren Kindheits- und Jugenderlebnissen und mixt alles mit den einseitigen Liebesgefühlen von Jamie Watson. Alles zusammen ließ die Charaktere für mein Empfinden einfach nicht wie glaubwürdige Jugendliche des 21. Jahrhunderts wirken.

Charlotte ist ein unabhängiger, sturer Charakter - ganz „Sherlock“ ist sie musikalisch, hochintelligent, aber arrogant und maßlos, was den Konsum von Drogen angeht. Leider fehlt ihr dabei häufig die beherrschte Souveränität eines Sherlocks. Sie dominiert die Geschichte mit unberechenbaren Stimmungsschwankungen und teilweise ausgesprochener Gefühlskälte. Jamie Watson ist zwar grundsätzlich ein sympathischer Typ, aber verbissen und ernst und ohne die nüchterne, augenzwinkernde  Beobachtungsgabe eines Dr. Watson.  Am meisten störte mich Jamies regelrechte Besessenheit von Charlotte, die ich einfach nicht verstehen konnte. Von Anfang an glaubt er an eine schicksalhafte Verbundenheit mit Holmes - was zwar angesichts der Stammbäume verständlich ist, mir persönlich aber nicht ausgereicht hat, um zu erklären, warum er sich so vorbehaltlos in ein Mädchen verliebt, das ihn immer wieder vor den Kopf stößt.

Irgendwie unpassend für ein Jugendbuch fand ich auch die Herausstellung von Charlottes’ Drogenproblem. Was in den Doyle’schen Originalen eher subtil eingebaut ist, artet hier mehrfach in offene Bekenntnisse und Drogenexzesse aus.

Während ich insgesamt um eine einfache, hormonfreie Freundschaft zwischen beiden trauerte, musste ich mich immer wieder selbst an die Fakten zum eigentlichen Mordfall von Sherringford erinnern, der seitenweise in Vergessenheit geriet. Die Fäden der Haupthandlung laufen erst im letzten Viertel wirklich zusammen.

Da das Buch dennoch viele Freunde gefunden hat, könnte ich mir vorstellen, dass ein zweiter Band folgen wird. In diesem Fall wäre es schön, wenn die Autorin sich ein wenig von dem Dogma des Originals lösen könnte, die Charaktere mit mehr Leichtigkeit angeht und den eigentlichen Plot stärker heraus arbeitet. 


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Holmes und ich - Die Morde von Sherringford 
Originaltitel: A Study in Charlotte
Übersetzer: Anja Galic

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten 
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2016 
ISBN: 978-3423761369 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 16 Jahre

Kommentare:

Krinkelkroken hat gesagt…

Also ich will kein TKKG-Moral-Apostel sein, aber Drogen in Jugendbüchern/-serien zu verharmlosen ist nicht so pralle. Mich hatte schon immer der fehlende Aufschrei bei Gossip Girl etc gewundert - aber jetzt scheint das auch die literarische Welt zu übernehmen.

lex hat gesagt…

"TKKG-Moralapostel"... Lach ;-) Nein, das möchte ich bitte auch nicht sein. Mich hat nur gewundert, wie die Drogenproblematik (immerhin: Charlotte dröhnt sich seit dem 13ten Lebensjahr regelmäßig mit harten Sachen zu) teilweise als unumstößlich hingenommen wird. Nach dem Motto: Holmes ist eben Holmes! Für ein Buch, das sich den Anstrich von Tiefe gibt, war mir das zuwenig.

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