Dienstag, 18. November 2014

"The Diviners - Aller Anfang ist böse" von Libba Bray

Bildquelle: DTV
New York in den 20er Jahren geprägt von der Prohibition. Die flatterhafte siebzehnjährige Evie O Neill wird wegen ihres schändlichen und unangepassten Benehmens aus ihrer langweiligen Kleinstadt ins schillernde New York verbannt. Was von ihren Eltern als Bestrafung gedacht ist, kommt für Evie wie gerufen. Denn auch hier kann sie sich bestens über die Regeln des guten Benehmens hinwegsetzen und sich nachts in Flüsterkneipen mit Jazzmusik und Alkohol vergnügen. Ihr Onkel, in dessen Obhut sie sich befindet, bekommt von all dem kaum etwas mit. Und wenn dann weiß Evie ihn gekonnt zu bezirzen. Eines Tages erschüttert ein seltsamer Ritualmord die Metropole und ihr Onkel wird als Direktor des Museums für Amerikanisches Volkstum, Aberglauben und Okkultes in die Mordermittlungen miteinbezogen. Zunächst begleitet Evie das Ermittlungsgeschehen mit etwas Abstand um ihre Fähigkeit Gegenständen die intimsten Geheimnisse ihres Besitzers zu entlocken, nicht zu verraten. Im Laufe der Zeit siegt die Neugier über die Vernunft und Evie erlebt die letzten schauderhaften Erinnerungen des Opfers am eigenen Leib …

Flüsterkneipen, in denen man über das landesweite Alkoholverbot hinwegsieht, selbstbewusste flatterhafte Mädchen mit Bobfrisur, in für die damalige Zeit viel zu kurzen schillernden Kleidern, die ungezügelt zu Jazzmusik tanzen. All das symbolisiert für mich die  Goldenen 20er Jahre in den Vereinigten Staaten. Dieses sehr stimmungsvolle Flair jener Zeit hat Libba Bray für ihr neues Jugendbuch „The Diviners – Aller Anfang ist böse“ eingefangen und mit gut recherchierten Fakten, einer innovativen Idee und verschiedenen historischen, Mystery und Thriller Elementen vermischt.

Die Handlung beginnt sehr viel versprechend mit der schillernden Hauptprotagonistin Evie und einem sehr atmosphärischen und aufwendigen Erzählstil. Bray beschreibt auf sehr stimmungsvolle Weise die ersten Schritte in Evies neuem Leben durch New York und vermittelt dem Leser den Charme dieser wunderschönen Metropole und das Flair dieser Zeit. Schnell wird man von einer ganz eigenen Stimmung gefangen genommen und fliegt über die ersten Seiten. Nach einigen sehr unterhaltsamen Passagen gerät der Lesefluss etwas ins Stocken, weil Evies Szenen immer wieder unterbrochen werden von neuen Handlungssträngen, die die Autorin nutzt, um weitere Figuren einzubauen. Diese neuen Charaktere werden sehr detailreich beschrieben und opulent in die fortlaufende Geschichte eingeführt. Und so wird der Leser immer wieder aus dem laufenden Geschehen gerissen und mit sehr ausschweifenden Beschreibungen traktiert. Dadurch bleibt wenig Raum für die spannenden Ereignisse um den Ritualmord. Der Charme und das Flair dieses Romans, die mich über einige Kapitel begleitet haben verblassen mit der Zeit, und mit ihnen mein Verlangen weiter zu lesen.

Auch wenn Libba Bray sehr viele literarische Figuren mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und zahllose Handlungsstränge mit ihrer Geschichte verwoben hat, spielt sich Evie immer wieder in den Vordergrund der Handlung. Sehr zum Vorteil der Leser, denn alle anderen Figuren werden zwar ausführlich beschrieben, bleiben aber starr und wirken längst nicht so lebendig wie Evie. Darüber hinaus haben fast alle Figuren auf emotionaler Ebene sehr wenig zu bieten.

Diese sehr opulente Geschichte endet nach knapp 700 Seiten abrupt mit einigen logischen Unebenheiten und trotzdem hat man als Leser das Gefühl, dass Libba Bray nicht alles in ihrer Handlung so platzieren konnte, wie sie es gerne getan hätte. Womöglich schlummern viele unausgereifte Ideen in ihrem Kopf, die sie in ihre drei Folgebände mit einfließen lässt. 






The Diviners - Aller Anfang ist böse von Libba Bray 
Gebundene Ausgabe: 704 Seiten 
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag 
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2014 
ISBN: 978-3423760966

Kommentare:

Nimue Alathaya hat gesagt…

Sehr schöne Rezension! Mir hat das Buch sehr gut gefallen aber die Sache mit dem Ende ging mir genauso. Plötzlich ging alles so schnell.. wie viele Sterne vergibst du denn? ;)
Liebe Grüße,
Nimue

Kathrineverdeen hat gesagt…

Bei mir kommt die Geschichte gerade so auf 2,5 Sterne. Ich hätte es am liebsten abgebrochen. Aber schön, dass es dir gefallen hat! LG

Krinkelkroken hat gesagt…

Huijuijui, du hast geschafft, es nicht niederzumachen, obwohl es dir anscheinend gar nicht gefallen hat. Finde ich toll, dass du versuchst, objektiv zu bleiben. Gerade bei so vielversprechendem Potenzial und so dicken Wälzern ist man als Leser irgendwie doppelt und dreifach genervt, weil einerseits die (zu recht hohen) Erwartungen enttäuscht werden und andererseits so extrem die Zeit gestohlen wird.
Schade! Trotz für mich maßgeschneidertem Setting muss ich wohl verzichten - denn dir vertraue ich eher als den Klappentexten. ;)

Kathrineverdeen hat gesagt…

Dankeschön :-) Ich bin froh, dass mir genau das anscheinend gelungen ist. War nicht so leicht.
Aber wer weiß, vielleicht gefällt es dir ja.
LG

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