Samstag, 22. November 2014

"Reinkarnation ist nichts für Feiglinge" von Fredrik Brounéus

Bildquelle: btb
Wie viele Wissenschaftler mögen sich im Laufe ihres Lebens nach einer bahnbrechenden Entdeckung oder Erfindung schon gedacht haben: Was tun, damit das, was ich hier geschaffen habe, nicht in die falschen Hände gerät? Sicherlich zahllose. Einer davon ist I N, dessen Gehirn und Ich in Widerstreit darüber stehen, ob seine großartige Erfindung der Menschheit und vor allem dem Planeten nicht vielleicht doch zu viel Negatives bringen mag. Zumindest nach I N s Tod.

Der Konflikt wird geklärt. Es wird Vorsorge getroffen: Wird die Erfindung nicht gleich zerstört, so wird zumindest ein Hintertürchen (natürlich mit Passwort) eingebaut, das die Zerstörung im nächsten Leben zulassen wird. 

George Larson, 18, ist hingegen vollauf damit beschäftigt, der Prince of Soul zu werden. Der Soul liegt ihm einfach im Blut und ganz nebenbei hofft er, dadurch der hübschen finnischen Austauschstudentin Kaisa näherzukommen oder zumindest so viel ihrer Zeit wie nur möglich gemeinsam zu verbringen. Allerdings passieren plötzlich einige äußerst merkwürdige Dinge und George hat eine Aufgabe zu erledigen: Er muss den Leuchtturm ausschalten, soll heißen, die Welt retten.

Der Überbringer dieser wichtigen Nachricht erscheint ihm im Traum und entpuppt sich als sein verstorbener Opa, der aber nicht der Einzige ist, der um die Wichtigkeit des Auftrags weiß. Tenzin, ein buddhistischer Mönch taucht ebenfalls plötzlich und ganz lebendig auf, um George auf seiner Suche nach dem Leuchtturm zu begleiten und eines ganz deutlich zu machen: „Wenn falschen Leuchtturm abschalten, er George abmurks“.

Und so beginnt Georges Suche nach dem Leuchtturm, von dem niemand so recht weiß, was er ist, wo er sich befindet … und das Passwort, das kennt auch keiner …

Der Titel Reinkarnation ist nichts für Feiglinge des äußerst unterhaltsamen und frischen Romans von Fredrik Brounéus um George, Tenzin, Kaisa und Opa scheint ein wenig irreführend, heißt das Buch doch im Original The Prince of Soul and The Lighthouse, was den Kern der Geschichte etwas genauer und charmanter trifft. Abschrecken lassen sollte man sich davon aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn man Freude an abgefahrenen Ideen, abstrusen Wendungen und intelligentem Witz mit spirituellem Touch hat. Douglas - Adams - Lesern sei dieses Kleinod also wärmstens empfohlen.

Eines sollte man jedoch beherzigen: Das Gehirn, das diese Geschichte aufnimmt, sollte schon etwas gedehnt sein, sonst droht es ob des skurrilen Datenflusses zu platzen – na ja, nicht wirklich, aber das Lesevergnügen wird andernfalls sicherlich eingeschränkt sein.

Brounéus schreibt in seinem Nachwort, die Geschichte habe sich von einer Horror-Short-Story zu einem unbeendeten Fantasy - Epos gewandelt. Erst als er in Neuseeland landete, erschienen ihm George, Tenzin und die anderen, die es ihm möglich machten, den vorliegenden Roman zu verfassen. Ein Glück für uns Leser. Hätten die Zeichen Brounéus woandershin geführt, wären wir vielleicht um ein intelligentes Stück Unterhaltung ärmer.

Dass der Autor offensichtlich ein großer Verehrer von Literatur à la Douglas Adams ist, gereicht dem Roman nicht zum Nachteil, versucht Brounéus eben nicht, Adams Texte zu kopieren, sondern leiht sich nur dessen Handwerkszeug, um etwas Eigenes zusammenzubauen. Das ist erfrischend, erfrischend anders und abseits des Mainstream. Witzige Dialoge, flüssiger Stil, ungeahnte Wendungen - all das und noch viel mehr bekommt man hier serviert.

Ein rasanter Roadtrip, ausgelöst durch buchstabierende Insekten, geführt von Tieren, die der Zeichensprache mächtig sind, mit überraschendem Ende, ach was soll ich noch sagen? Außer: Lest es selbst – Just do it!




Reinkarnation ist nichts für Feiglinge von Fredrik Brounéus 
Taschenbuch: 352 Seiten 
Verlag: btb
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2014 
ISBN: 978-3442748334

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