Donnerstag, 18. September 2014

"Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums" von Benjamin Alire Saenz

Bildquelle: Thienemann
When we were beautiful …

„ … Manchmal lieben Eltern ihre Söhne so sehr, dass sie vergessen, wie schwer es ist, fast siebzehn zu sein. Sie glauben mithilfe unserer Jugend können wir alles überwinden. Vielleicht vergessen Sie dabei eine winzig kleine Tatsache: Fast siebzehn zu sein kann brutal, schmerzhaft und verwirrend sein. Fast siebzehn zu sein kann richtig nerven. ...“ (S. 254)

So ist das mit der Zeit: Sie verklärt so einiges und in der Rückschau wird die Zeit mit fast siebzehn zur besten. Beste Zeit, siebzehn – auf dem Sprung in eine andere Welt. Leben im Ökoton, dem Randbereich zwischen zwei Ökosystemen, dort wo der Übergang vom einen zum anderen eine überbordende Artenvielfalt hervorbringt. Und diese macht es schwer, sich selbst zu positionieren, die eigene Nische zu entdecken. Unsicherheit über Gefühle; Gefühle überhaupt – eine komplizierte Sache. Mädchen sprechen mit ihrer besten Freundin über das, was sie bschäftigt, so kenne ich das zumindest. Wie eigentlich machen das Jungs? …

Es ist Sommer. Sommer 1986 und die Welt, in der Aristoteles morgens aufwacht, ist nicht wie gewünscht plötzlich eine andere. Der erste Song im Radio: Alone von Heart, nicht gerade ein motivierender Einstieg.
„ … Ich war fünfzehn.
Ich war gelangweilt.
Ich war unglücklich. ...“  (S. 8)

Doch plötzlich verändert sie sich doch, die Welt, als Ari(stoteles) Dante begegnet. Dante, der Schwimmer, lehrt Ari, dem Nichtschwimmer, das Schwimmen …

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums und das aus Aris Sicht, der den Leser immer ganz nah an sich und seine Geschichte heranlässt. Seine Stimme ist allgegenwärtig und so bleiben es auch die beiden Freunde, nachdem das Buch längst zugeklappt ist.

Der Autor dieses überaus berührenden Buches, das den Leser einestteils in die eigene Jugend zurück und andererseits in unbekannte Bereiche versetzt, weiß offensichtlich ganz genau, wovon er schreibt. Authentisch lässt er uns am Seelenleben der beiden Protagonisten teilnehmen, so sehr dass man meint, es wäre die Geschichte von alten Freunden, an die man sich erinnert. Aufschlussreich kann man das nennen, menschlich ist es und das ohne jeden Hauch von Voyeurismus. Das Buch ist „ … allen Jungen, die lernen mussten, nach anderen Regeln zu spielen ...“ gewidmet.

Aber auch Menschen, die die fast Siebzehn bereits locker überschritten haben, finden hier tiefe Einblicke. Als Mutter eines Sohnes hat mir Benjamin Alire Saenz eine Gedanken- und Gefühlswelt eröffnet, für deren Preisgabe ich ihm zutiefst dankbar bin. War ich zu Beginn der Lektüre skeptisch, ob das Buch mich in irgendeiner Weise anrühren könne, hat es mich früh so sehr gepackt, dass ich Ari und Dante fast vermisse, denn sie haben mir vieles wieder in Erinnerung gebracht, neue Seiten dieser Welt gezeigt und einiges gelehrt:

„ … Ein Geheimnis des Universums ist, dass unser Gespür manchmal stärker ist, als unser Verstand. ...“ (S. 277)

Diese Überzeugung teile ich vollkommen. Genauso wie man das Schwimmen lernen kann, so kann man lernen, auf sein Gespür zu hören und den Verstand beiseitezuschieben, der oft nur von anderen aufgestellte Regeln spiegelt, die wir übernommen haben, um uns einzugliedern.

Benjamin Alire Saenz schreibt in seinem der Geschichte vorangestellten Dank, er habe lange darüber nachgedacht, ob er dieses Buch schreiben soll, und hatte sogar schon nach dem ersten Kapitel erwogen, das Projekt aufzugeben. Er hat es nicht getan. Wir können froh sein, dass er seinem Gespür gefolgt ist und seinen Verstand beiseite gepackt und uns diese wunderschöne Geschichte geschenkt hat.




Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums von Benjamin Alire Saenz 
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten 
Verlag: Thienemann Verlag
Erscheinungsdatum: 16. Juli 2014 
ISBN: 978-3522201926

Kommentare:

Tina hat gesagt…

Ohhh, das hört sich echt großartig an! Ich hab das Buch geschenkt bekommen und wollte es eigentlich auch schon längst lesen. Doch ich hab einfach meine Probleme mit nachdenklichen Contemporary Geschichten und deshalb hatte ich noch nicht den riesen Anreiz. Lieben Dank für deine schöne Rezension!

Liebe Grüße,
Tina

brisliteratouren hat gesagt…

Das Buch ist einfach toll - ganz ehrlich. Fang einfach an ... es ist keine Contemporary Geschichte in dem Sinn ,,, und ich bin überzeugt, es wird dich packen. Wenn Du es gelesen hast, muss Du berichten :).
Schön, dass die Rezension scheinbar so geworden ist, wie ich es mir ... gewünscht habe ...
LG,
Bri

Marie Priwitzer hat gesagt…

Ich find das Cover so schön. Und ich bin schon immer um die deutsche Ausgabe herumgeschlichen. Das werde ich sicher noch lesen. :) Danke für deine schöne Rezension.

Liebe Grüße

brisliteratouren hat gesagt…

Nicht nur das Cover ist schön ;) Freut mich, wenn Dir die Rezension gefallen hat - es ist wirklich ein tolles Buch.
LG,
Bri

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