Donnerstag, 14. August 2014

[Rezension] "Lieder eines Sommers" von Cath Crowley

Lieder eines Sommers - Cath Crowley, Jugendbuch
Bildquelle: Carlsen
Der Sommer ist für mich die schönste Zeit im ganzen Jahr. Er verleiht meinem Leben eine gewisse Leichtigkeit, die ich den Rest des Jahres über sehr vermisse. Ich liebe die Farben und die Klänge, die er mit sich bringt. Die reifen Früchte, das rauschende Meer und die langen Abende im Garten. Wenn man dann noch eine passende Lektüre gefunden hat, die dieses spezielle Gefühl beschreiben kann und so den Sommer noch ein Stück weit schöner macht, ist der Sommer perfekt. Mit „Lieder eines Sommers“ von Cath Crowley habe ich genau so eine Lektüre gefunden. 

„Die meisten Menschen ahnen nicht, dass man auf Reisen sowohl innerlich als auch äußerlich von Geistern begleitet wird. Mum ist in meinem Kopf, aber sie ist auch im Wasser und in den Felsen und im Gras.“ Seite 43

Die Geschichte beginnt mit einer Reise.Wie in jedem Sommer fährt Charlie zu ihrem Großvater aufs Land, um ihre Ferien dort zu verbringen. Bevor sie den kleinen Ort erreicht, erinnert sie sich an viele vergangene Sommer, in denen sie vergeblich versucht hat dort Freundschaften zu schließen. Nur in wenigen Momenten erlaubte sie sich, Rose und deren zwei Freunde, die wie Pech und Schwefel sind, von einem Baum im Garten ihres Großvaters aus zu beobachten. Jedoch hat sie es nie geschafft, über ihren eigenen Schatten zu springen und sich ihnen anzuschließen. Für sie war es einfacher sich mit ihrer Gitarre zu verkriechen, um neue Songs zu schreiben. Völlig in Gedanken versunken ahnt Charlie nicht, dass dieser Sommer viele Veränderungen und Überraschungen für sie bereithält.

Wie schwierig Freundschaften sein können, hat fast jeder Mensch mindestens einmal erfahren. Auch Charlie und Rose, die beiden Hauptprotagonisten dieser Geschichte, haben schon einige Erfahrungen auf sehr unterschiedliche und manchmal sehr schmerzliche Weise gesammelt. In „Lieder eines Sommers“ lassen sie dem Leser ein Stück weit daran teilhaben. 

Auch wenn sich diese Geschichte größtenteils mit dem Thema Freundschaft beschäftigt, nehmen auch weitere eindringliche Inhalte etwas Raum ein: Der Verlust von einem geliebten Menschen und welche Veränderungen er mit sich bringt und wie wichtig es ist sich Erinnerungen zu schaffen. Und das Leben selbst trotz mancher Widrigkeiten als eine Herausforderung zu sehen, und es einfach zu leben und in vollen Zügen zu genießen.

Wir Leser begleiten Charlie und Rose durch einen alles verändernden Sommer und lernen diese beiden so verschiedenen Menschen, durch ihre eigenen Sichtweisen kennen. Aber dieses geschieht nicht auf eine oberflächliche Art, weil beide Mädchen uns Lesende tief in ihre Seelen blicken lassen und jedes noch so kleine Geheimnis mit uns teilen.                                                         Charlie nimmt die Welt um sich herum auf eine ganz besondere Weise wahr – durch ihr Gehör. Alles hat für sie einen besonderen Klang. Jeder Mensch, jeder Ort und selbst jeder neue Sonnenaufgang.
Charlie ist ein sehr in sich gekehrter und zurückhaltender Typ. Ganz im Gegensatz zu Rose, denn die empfindet man erst einmal als rebellisch und aufbrausend. Bis man diesen Charakter durchschaut hat, dauert es eine unterhaltsame Weile. Aber dann erkennt man, welche tiefe Sehnsucht in ihr schlummert und wie hilflos sie sich oft fühlt. Als diese zwei Mädchen dann im Laufe der Geschichte versuchen einander zu benutzen, um ihr Leben ein wenig besser zu machen und aneinander zu wachsen, entsteht eine ganz besondere Freundschaft. 

„Es kommt mir vor, als würden wir einander suchen. Ich suche sie, weil ich mich wieder ganz fühlen möchte, und sie sucht mich, weil sie mir zeigen möchte, wie ich hätte sein sollen.“ Seite 44

Beiden Protagonistinnen konnte man, durch ihren bewegenden Erzählstil, auf eine sehr intensive Weise begegnen. Ich war dankbar für jede Minute, in der sie mich an ihrer Betrachtungsweise und ihrem Leben teilhaben ließen. Charlie und auch Rose waren für mich persönlich eine besondere Bereicherung für dieses Buch.

Selten habe ich erlebt, dass eine Geschichte mit einer etwas ernsteren Grundstimmung auf so charmante und leichte Weise erzählt wurde. „Lieder eines Sommers“ von Cath Crowley wirkt durch einen sehr bildgewaltigen, komplexen und sensiblen Schreibstil so lebendig, dass ich jeden Ton zusammen mit Charlie hören und jeden Sonnenstrahl mit Rose selbst erspüren konnte. Es war als würde Cath Crowley jede Zeile mit ihrer eigenen Poesie zum Leben erwecken und mit besonderen Tönen verzieren. Ich habe diese Geschichte bewusst sehr langsam und manche Passage mehrfach gelesen, um jeden noch so kleinen Moment eingehend auszukosten.





Lieder eines Sommers von Cath Crowley
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten 
Verlag: Carlsen 
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2014 
ISBN: 978-3551582805

Kommentare:

Lisa Hess hat gesagt…

Wunderschöne Rezi! Jetzt hast du mich richtig neugierig auf das Buch gemacht. :-)

Ganz liebe Grüße
Lisa

Kathrineverdeen hat gesagt…

Dankeschön! Ich hoffe du liest es bald, denn es ist eine wunderschöne Geschichte!

LG

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