Mittwoch, 30. April 2014

[Rezension] "Null-Null-Siebzig: Operation Eaglehurst" und "Agent an Bord" von Marlies Ferber

Bildquelle: dtv
Es ist eine heiter-betrübliche aber leider unvermeidliche Erkenntnis: auch Geheimagenten kommen in die Jahre. Als James Gerald, Ex-Agent des britischen Secret Intelligence Service (SIS), am vornehmen Seniorensitz Eaglehurst in Hastings vorfährt, ist er nach einer schweren Bronchitis noch ziemlich wackelig auf den Beinen und darum zu seinem Missmut auf einen Rollator angewiesen. Gleichwohl. Wie sein junges alter ego ist er ein blasierter Snob, der ein ausgiebiges englisches Frühstück und eine gute Zigarre schätzt, edlen Whisky (Scotch!) bevorzugt und festen Engagements in der Damenwelt abgeneigt ist. Doch auch dieser James löst kniffelige Fälle, freilich nicht mehr im Auftrag Ihrer Majestät, denn schließlich ist er „retired“. Sein Besuch auf Eaglehurst ist also nur Tarnung, es gilt den Tod des Freundes William aufzuklären, der daselbst ganz plötzlich verschieden ist… 

Natürlich löst 0070 das Rätsel des plötzlichen Todesfalls dank blitzgescheiter Beobachtungsgabe und jahrzehntelanger Erfahrung im Umgang mit Tunichtguten. Und selbstverständlich kommt dem Ex-Agenten der technische Fortschritt zu Gute: Er besitzt eine aufgerüstete Armbanduhr, aus der sich ein Titanfaden abschießen lässt, und einen Rollator, der auf Knopfdruck Reizgas versprühen kann.

Auch der zweite Fall von 0070 spielt vor alterstaugliche

Kulisse: auf einem Kreuzfahrtschiff. Zu verdanken hat James Gerald diesen Aufenthalt seiner munteren und trotz ihrer 67 Jahre unverdrossen Minirock tragenden Freundin Sheila. Die frühere Kollegin hat ihn bezirzt, die Seeluft versprechende Geburtstagseinladung ihrer betagten Mutter anzunehmen. Und nun sitzt 0070 inmitten einer illustren, skurrilen Gesellschaft und gähnt – bis ein Gast nach dem anderen verschwindet und angefressene Leichen im Meer dümpeln… 
Bildquelle: dtv

Entschieden frecher als in „Eagelhurst“ blitzen in „Agent an Bord“ die Dialoge zwischen dem prinzipientreuen James und der widerspruchsbereiten Sheila auf. Wie man weiß, verblassen Eigensinn und liebe Gewohnheiten im Alter nicht, sodass es zwischen den beiden zu einem nicht unbedenklichen Funkenschlag kommt.

Marlies Ferber erzählt mit Tempo, Witz und offenkundiger Freude, harmlosen Krimi-Spaß mit nostalgischem Flair aufzupeppen. Ungeniert bedient sie sich aus dem reichhaltigen Repertoire von Ian Fleming und Agatha Christie und nimmt die berühmten Vorbilder gehörig auf die Schippe. Versierte Leser werden ihre Freude daran haben, die vielen Anspielungen zu sichten. Ferbers Krimis reichen an die ausgefeilten Plots und subtilen Erzähltechniken der literarischen Vorlagen nicht heran. Das wollen sie aber auch gar nicht. Schweißausbrüche und Alpdrücken sind nicht beabsichtigt. Gelegentliches Schmunzeln wird garantiert. Freigegeben ab 6 Jahren. 


Im Juni kommt übrigens der dritte Fall für Agent 0070 "Mord in Hangzhou" in die Buchläden!


Null-Null-Siebzig - Operation Eaglehurst von Marlies Ferber
Verlag: dtv
Taschenbuch: 272 Seiten
Erscheinungsdatum: Februar 2012
ISBN: 978-3-423-21345-5

Null-Null-Siebzig - Agent an Bord von Marlies Ferber
Verlag: dtv
Taschenbuch: 352 Seiten
Erscheinungsdatum: Januar 2013
ISBN: 978-3-423-21418-6

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