Montag, 3. Februar 2014

"Ghostman" von Roger Hobbs

Bildquelle: Goldmann
Krimineller als Perfektionist 

Ein Raubüberfall misslingt und der Auftraggeber für diesen Überfall engagiert den sogenannten „Ghostman“, um herauszufinden was vorgefallen ist. Die beiden Männer kennen sich seit einer früheren, gemeinsam ausgeführten Straftat, der „Ghostman“ schuldet ihm seitdem noch einen Gefallen. Beide Verbrechen und ihre Folgen werden in parallelen Handlungssträngen aus Sicht des „Ghostman“ erzählt.

Über den auffälligen, giftgrünen Schriftzug auf dem mausgrauen Cover war ich auf das Buch zuerst aufmerksam geworden – in Buchhandlungen springt es mir immer wieder ins Auge. Es wirkt auf mich geheimnisvoll und ein bisschen gefährlich, ideal für das Genre. Noch besser als das Cover passt allerdings der Buchtitel zum Inhalt: „Ghostman“ fasst die komplexe Hauptperson in einem Wort perfekt zusammen.

Wenn ich vorab gewusst hätte, welche große Rolle Blut und Gewalt in diesem Buch spielen, dann hätte ich es wahrscheinlich nicht gelesen. In der Geschichte kommen fast ausschließlich Kriminelle vor, es geht um unzählige Treffen zwischen Verbrechern, die Planung von Verbrechen, um Waffen und Tötungsdelikte. Das klingt sehr brutal und wirkt doch nicht so, weil es keine Identifikationsfiguren gibt – die Schilderungen sind alle sehr sachlich und nüchtern, grenzen fast an emotionslos.

Getragen wird die Geschichte durch die Hauptperson, den so treffend benannten „Ghostman“. Er agiert zwischen den Fronten und spielt sämtliche Parteien gegeneinander aus: seinen Auftraggeber, das FBI und dazu noch die lokalen Kriminellen. Bei allem taktieren bleibt er selbst als Person völlig rätselhaft und undurchschaubar.

Als Leser erfährt man über den „Ghostman“ nur, dass er ein Spezialist in seinem Fach ist und sich komplett auf den Beruf konzentriert. Mit viel Perfektionismus kümmert er sich um die allerkleinsten Details, wie jeder Experte oder Wissenschaftler in einem anderen Fach es auch tun würde. Im kriminellen Milieu bedeutet das, dass er eiskalt und furchtlos auftritt. Seltsamerweise wirkt er dabei weniger grobschlächtig und blutrünstig als seine Kollegen, ich hatte nicht den Eindruck er sei ein unmoralischer Mensch. Die Motivation des Protagonisten für seinen Job bleibt unklar und er als Person schemenhaft und wenig greifbar. Diese Widersprüche haben für mich einen großen Teil der Spannung und Faszination ausgemacht.

Das Buch habe ich gerne gelesen, weil ich es spannend fand. Es wird allerdings nicht zu einem meiner Lieblingsbücher, darum war ich länger am schwanken ob drei oder vier Sterne die angemessene Bewertung sind. Den Ausschlag dafür vier Sterne zu vergeben war, dass es sich hier um ein Debüt handelt. Sowohl die Handlungsstränge als auch der interessante Protagonist sind für ein Debüt erstaunlich gut gelungen.


Verfasst von 28horseshoe


Ghostmann von Roger Hobbs 
Broschiert: 384 Seiten 
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2013 
ISBN: 978-3442313372

1 Kommentar:

Tanja`s Allerlei hat gesagt…

Das Cover ist wirklich besonders. Allerdings denke ich nicht, dass es sich unbedingt für mich lohnt, es zu lesen...

Kommentar veröffentlichen