Donnerstag, 14. November 2013

[Rezension] "Alisik (# 2) - Winter" von Hubertus Rufledt und Helge Vogt

"Alisik (# 2) - Winter" von Hubertus Rufledt und Helge Vogt
Bildquelle: Carlsen Verlag
Es ist Winter geworden und der alte Friedhof, Heimat der Postmortalen, ist von einer dichten Schneedecke eingeschlossen. Doch so friedlich die Landschaft auch wirkt – in Alisiks neuer Gemeinschaft der Toten gibt es jede Menge Aufregung: Die Baustelle, die die idyllische Grablandschaft bedroht, beunruhigt die Gemüter. Ob da der Sichel-Michel weiterhelfen kann? Und auch Alisik hat mit belastenden Konfrontationen zu kämpfen. Auf einem ihrer Streifzüge mit dem blinden Ruben entdeckt sie Hinweise auf ihre Vergangenheit, die ihr schwer zu schaffen machen. Obendrein kommen sie und Ruben sich immer näher – doch was wird er denken, wenn er erfährt, dass sie gar nicht mehr unter den Lebenden weilt?

Im zweiten Band der vierteiligen Dark-Romance-Mystery-Serie verdichten sich allmählich die Informationen und viele Handlungsstränge, die im Vorgänger, „Alisik – Herbst“, aufkamen, werden zusammengeführt. Das bringt nicht nur jede Menge Spannung und neue Aufregung, sondern wird mit so viel hintergründigem Humor, künstlerischem Detailreichtum und schriftstellerischer Hingabe präsentiert, dass das ehrfürchtige Staunen zuweilen einem herzensfrohen Jauchzer weichen muss.

Das Repertoire von Rufledts Texten reicht von tragikomisch und einfühlsam bis zu mitreißend und nervenaufreibend. Wie bereits beim Vorgänger, geht jedem Kapitel ein Intro voraus, das Auszüge aus dem Regelwerk der Postmortalen oder Alisiks Gedankensequenzen enthält. Die Geschichte beinhaltet verschiedene Elemente, die jeweils mit sehr unterschiedlichen Stimmungen behaftet sind. Familiäres Zusammenleben und Vergangenheit der Postmortalen kommt mit Humor, Skurrilität und einer Prise Nostalgie daher. Alisiks Vergangenheit wird dramatisch und bisweilen wehmütig erzählt. Zwischen Ruben und ihr knistert es gewaltig – ohne dass die Ernsthaftigkeit der Romantik zum Opfer fällt. Dadurch wirkt die leise Liebesbeziehung, die sich zwischen den beiden ungewöhnlichen Jugendlichen entwickelt, zu keiner Zeit kitschig oder aufgesetzt. Unterschwellig werden all diese Geschehnisse von der Gefahr durch Planierraupe und Schicksalsentscheidung durch Herrn Todt bedroht – und enden in einem explosiven Cliffhänger.

Helge Vogts grafische Virtuosität macht aus der bewegenden Geschichte ein artistisches Kunstwerk, das seinesgleichen auf dem deutschen Markt vergeblich sucht. Einzigartiger Stil, spektakuläre Farbenspiele, beeindruckende Collagen und aufwändige Montage verschiedener Ausdrucksarten sind nicht nur ein Augenschmaus für den Leser; die Technik lässt auf einen ebenso talentierten wie leidenschaftlichen Künstler schließen, dessen genuine Schöpferkraft man so manchem Tattoo-Studio und so manchem Innenausstatter wünschen würde.

Für einen für den Comic-Markt erstaunlich erschwinglichen Preis bekommt der Leser hier einiges geboten. Die Verfasser sparen im Gegensatz zu manchen Kollegen weder an Aufwand noch an Effekten oder Text(sorgfalt). „Alisik“ lässt sich sowohl zeichnerisch als auch Genre-technisch keinem einzelnen Stil zuordnen, ja, nicht einmal einer bestimmten Leserschaft; über diese Mixtur lässt sich also alles Mögliche sagen – ganz sicher aber nicht, dass es sich um ein kurzweiliges Vergnügen handelt. Jede Seite verdient einen zweiten oder dritten Blick und lädt zum Verweilen ein.

Kurz: Story und Grafik machen „Alisik – Winter“ zu einem vollendeten Leseerlebnis für kalte Herbsttage. Die zarte Romantik von Ruben und Alisik, der besinnliche (und bisweilen kabbelige) Zusammenhalt der Postmortalen und die winterliche Atmosphäre wärmen einem das Leserherz wie eine richtig schokoladige Tasse Kakao. Mit Sahne.

Seid ihr neugierig geworden oder schmückt der erste Band gar schon euer Regal? Dann verpasst auf keinen Fall das brandaktuelle Bonuskapitel "Nachtgestalten", dass ihr hier aus der Verlagsseite kostenlos lesen könnt: KLICK!
Die Rezi zum ersten Teil von Alisik, verfasst von Kathrineverdeen, gibt es hier: KLICK!


Alisik-Winter von Hubertus Rufledt und Helge Vogt 
Taschenbuch: 92 Seiten  
Verlag: Carlsen 
Erscheinungsdatum: Oktober 2013  
ISBN: 978-3-551-77027-1

Kommentare:

Kathrineverdeen hat gesagt…

Ich muss dringend!!! in den nächsten Buchladen :-) Freue mich nach deiner schönen Rezension richtig auf den 2. Teil.
LG

Krinkelkroken hat gesagt…

Danke, Alisik macht es einem aber auch leicht, schöne Worte zu finden,. Die Inspiration überträgt sich wahrscheinlich beim Lesen. :) Der zweite Band ist noch schöner als der erste, finde ich. Total gelungen, rund um gut!

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