Sonntag, 4. August 2013

[Rezension] "Mord in der Rue Dumas" von Mary L. Longworth

Bildquelle: Aufbau Verlag
Aix-en-Provence besitzt ganz im Gegensatz zu anderen französischen Universitätsstädten noch eine eigene theologische Fakultät und das dank der Dumas-Stiftung, die sowohl das Dekanat der Fakultät finanziert, als auch ein Stipendium für die Forschungstätigkeiten der nachkommenden Theologen bereithält. Der Dauerstreit zwischen den Anhängern der Zisterzienser auf der einen und denen des Ordens von Cluny feuert die Diskussion um die Nachfolge des Dekans Prof. Moutte kräftig an. Prof. Moutte hat seinen baldigen Rücktritt angekündigt, muss aber auch noch den Empfänger des begehrten Stipendiums  bestätigen. Da macht sich Spannung breit bei einigen Personen, die allesamt auf Prof. Mouttes Party geladen sind und einem Disput zwischen ihm und einem seiner möglichen Nachfolger beiwohnen. Denn so bald will der Professor wohl doch nicht zurücktreten.
Am Morgen nach der Feier jedoch wird Prof. Moutte tot aufgefunden – ein Fall für den Untersuchungsrichter Antoine Verlaque und Kommissar Bruno Paulik, die zunächst einmal alle Verdächtigen in alphabetischer Reihenfolge (und das an einem Sonntag) zu den Vorkommnissen auf der Party befragen. Schnell wird klar, es gibt eine Reihe von Menschen, die durchaus ein Motiv für den Mord hätten – doch wer es wirklich getan hat, bleibt noch lange im Dunkeln.

Mary L. Longworth hat mit dem zweiten Fall ihrer in der Provence angesiedelten Kriminalromanreihe einen klassischen Krimi vorgelegt. Ein Toter, viele Verdächtige mit Möglichkeit und Motiv. Die Verortung der Fälle in eine der schönsten französischen Kulturlandschaften kann man verstehen, zumal es in den letzten Jahren so etwas wie einen Trend in diesem Genre zu geben scheint – begonnen mit den Périgord Krimis von Martin Walker, über die Bretonischen Fälle des Kommissars Dupin, bis hin zur Provence und Untersuchungsrichter Antoine mit Anhang.

Die Motive sind schnell klar, der Fall aber noch im Dunkeln, der Leser wird mit dem Leben in Aix und Umgebung vertraut. Sowohl mit den kulinarischen, als auch mit den kulturellen Höhepunkten der Stadt. Das alles könnte ein schönes atmosphärisches Bild ergeben, würden die Figuren nicht ein wenig ungreifbar bleiben. Man erfährt einiges über die Lebensumstände und Nöte der Protagonisten, doch ist alles ein wenig blass. Hier kann sich die Reihe in den folgenden Bänden sicherlich steigern.

Wer Kriminalromane der klassischen Form à la Sherlock Holmes mag, wird sich mit den Provence Krimis von Mary L. Longworth wohlfühlen. Stimmig hierzu ist auch die Covergestaltung des Buches. Wer allerdings einen spannungsgeladenen Pageturner sucht, sollte an der Rue Dumas vorbei streben und sich nach anderer Lektüre umsehen.

Dennoch ist das Buch eine willkommene kurzweilige Unterhaltung für sommerlich heiße Tage und schnell ausgelesen.

http://brisliteratouren.wordpress.com/
Mord in der Rue Dumas von Mary L. Longworth 
Taschenbuch: 349 Seiten 
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 20. Mai 2013
ISBN: 978-3746629322

Kommentare:

Krinkelkroken hat gesagt…

Eine hilfreiche Rezi für jeden Krimi-Fan. Ich bin noch unschlüssig, ob ich vorbei strebe oder stehen bleibe und genieße. Aberdie Wortwahl werde ich mir schon mal merken. ;)
Liebste Grüße,
Krink

biroxi hat gesagt…

Herzlichen Dank für dieses Lob von der ausgewiesenen Krimiexpertin. Wenn etwas mehr Flair und Atmosphäre gewünscht wird, kann ich noch die Périgord Krimis von Martin Walker empfehlen. Bruno Courrèges ist wirklich ein Tausendsassa ;)
Sonnige und liebe Grüße,
Bri

Krinkelkroken hat gesagt…

Danke für die Tipps, liebe Mit-Expertin. ;) Hab ich mir notiert und werde berichten! :)
Liebste Grüße!

Kommentar veröffentlichen