Samstag, 4. Mai 2013

[Rezension] „Tatort Oslo – Unehrlich währt am längsten“ von Knut Krüger

Tatort Oslo. Unehrlich währt am längsten - Knut Krüger
Bildquelle: cbj
Franziska und Lukas Fischer ziehen nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter nach Oslo. Vor allem Franziska hat große Schwierigkeiten, sich einzuleben und möchte am liebsten sofort in ihre alte Heimatstadt München zurückkehren. Doch zu allem Überfluss verliebt sich ihre Mutter in einen zwielichtigen Typen namens Leif, womit alle Rückzugspläne vereitelt werden. Nur gut, dass Franziska in Alexander Ohlsen einen guten Zuhörer und Freund gefunden hat, der seinem Vater, Kriminalkommissar Ohlsen, schon in so manchem Fall tatkräftig zur Seite stand. Zusammen versuchen die Kids hinter das Geheimnis von Leif zu kommen und geraten dabei selbst in größte Gefahr...

Endlich ein Skandinavien-Krimi für Kinder!“ Das war mein blitzartiger Gedanke zu diesem Erstlingswerk von Knut Krüger. Und tatsächlich enttäuscht es nicht meine hohen Erwartungen: Mit viel Liebe zum (norwegischen) Detail beschreibt der Autor das Savoir Vivre der Osloer. Dabei entsteht beim Leser nicht nur ein dringendes Bedürfnis nach Krabbenbrot – auch Humor und Spannung kommen nicht zu kurz. Dass Knut Krüger selbst einmal in Oslo gelebt hat, wird durch viele Anekdoten und genaueste Kenntnisse des norwegischen (Alltags-)Lebens deutlich. Er beschreibt Straßen, Sehenswürdigkeiten, Fauna und Flora, sowie Ess- und Ausgehgewohnheiten der norwegischen Hauptstädtler en detail.

Auch die Figuren sind gut ausgearbeitet und bieten Identifikationsspielraum. Die Kinder zeigen sich aufgeweckt und witzig, ohne klischeehaft zu wirken. Auch sprachlich überzeugt der Jugendkrimi auf den ersten Seiten sehr, sodass die fiktive Sommerbrise um die leserischen Ohren weht.

Leider dauert das hohe Niveau des Einstiegs nicht fort. Die Beschreibungen des Kriminalfalls geraten aus dem Blickfeld des Lesers, große Zeitsprünge und abhackte Stränge verwirren mit fortschreitenden Seitenzahlen. Auch die sprachliche Sorgfalt lässt nach und das liebevoll beschriebene Ambiente Oslos rückt kontinuierlich in den Hintergrund. Vor allem das letzte Drittel des Romans beschäftigt sich inhaltlich mit weniger sympathischen Charakteren und sowohl Show-Down als auch Ende wirken eher klischeehaft und wenig überzeugend.

Durch das große Potenzial, das der Autor zu Beginn des Werkes bewiesen hat, ist klar, dass zwar Verbesserungsbedarf besteht. „Tatort Oslo– Unehrlich währt am längsten“ ist aber insgesamt ein sehr gelungenes Debut mit einem soliden Plot und sympathischen Protagonisten, von denen man hoffentlich noch viel – und dann bitte auch „viel“ im Verhältnis zu den Nebenfiguren – lesen wird.

Die Gestaltung des Buches lässt im Übrigen keine Wünsche offen – sowohl Optik als auch Haptik sind sehr ansprechend und die Detailverliebtheit im Inneren (Karte Oslos, Seitenzahlen, Überschriften) wertet das Gesamtkonzept zusätzlich auf. Allein der Titel des Krimis scheint nicht gänzlich stimmig zu sein.

Insgesamt handelt es sich beim „Tatort Oslo“ um eine großartige Idee, die gut – wenn auch noch mit einigen Schwächen – umgesetzt wurde. Knut Krüger hat seine schriftstellerische Fähigkeiten unter Beweis gestellt und könnte durch einige Verbesserungen sicher zum neuen König der skandinavischen Kids-Krimis aufsteigen. Tatort Oslo“ ist auf jeden Fall eine Reihe, die man im Auge behalten sollte.



Tatort Oslo - Unehrlich währt am längsten von Knut Krüger  
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: cbj
Erscheinungsdatum: 25. März 2013 
ISBN: 978-3570153963

Kommentare:

Kathrineverdeen hat gesagt…

Warum bekomme ich jetzt beim Lesen deiner Rezi Hunger auf Krabbenbrote?

Krinkelkroken hat gesagt…

Haha! Ich habe seit dieser Lektüre auch den ganzen Kühlschrank voller Schalentiere... XD

Kathrineverdeen hat gesagt…

Bücher und ihre Nebenwirkungen :-)

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