Freitag, 24. Mai 2013

"Liebe unter Fischen" von René Freund

Sie sind es leid, ständig und für jedermann telefonisch erreichbar zu sein und sind überlastet mit den unbeantworteten Telefonaten auf ihrem Anrufbeantworter? Dann habe ich einen sehr hilfreichen Tipp für sie. Leihen sie sich einfach diese Ansage eines bekannten und erfolgreichen Lyrikers: „Anrufbeantworter von Alfred Firneis. Bitte hinterlassen Sie keine Nachricht. Ich rufe nicht zurück“ Ich gebe zu, von einem Lyriker erwartet man etwas mehr, aber dieser Spruch ist sehr bezeichnend für Alfreds momentane Situation, denn nach großen Erfolgen steckt Alfred Firneis in einer tiefen Krise. Er fühlt sich ausgebrannt, zu leer, um Gedichte für einen neuen Band zu schreiben. Lieber vergräbt er sich in seinen vier Wänden, isoliert sich von der Außenwelt und betäubt seine schlechten Gefühle mit Alkohol. Susanne Beckmann, seine hartnäckige Verlegerin, lässt sich allerdings nicht so leicht abwimmeln, weil nur ein neuer Gedichtband von Alfred ihren hoch verschuldeten Kleinverlag retten könnte. Mit großer Überredungskunst bringt sie ihn sogar dazu, in die Alpen zu verreisen, mit der Hoffnung im Gepäck, dort neue Kraft und Ideen für ein neues Werk zu bekommen.

Man nehme einen ausgebrannten launischen Lyriker und mische ihn mit einer hartnäckigen scharfzüngigen Verlegerin, der das Wasser bis zum Hals steht. Gibt danach einen Schuss eines nie um eine alpine Weisheit verlegenen österreichischen Försters dazu und versüßt das Ganze mit einer sehr reizvollen slowakischen Biologin. Heraus kommen eine Geschichte, deren literarische Figuren im Sturm das Herz der Leser erobern und ein besonderer Lesegenuss, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Für mich war es eine perfekte Mischung, denn durch die verschiedenen und oft spleenigen Verhaltensweisen der Akteure, prallten oft Welten aufeinander und der Leser findet sich in sehr erheiternden und belebenden Situationen wieder. Diese Geschichte war für mich wie ein kleiner Urlaub. Als würde ich mit Alfred zu der kleinen Hütte am See reisen, die Umgebung der Alpen in mich aufnehmen und bestaunen, mich ab und an mit einem kleinen Bad im See erfrischen. Ich wurde stummer Zeuge von vielen lustigen aber auch sehr eindringlichen, liebenswerten und nachdenklichen Momenten.
Erst in dieser imposanten Kulisse lernte ich den launischen Lyriker wirklich kennen. In vielen Momenten reflektiert er über sein Leben und beschreibt einige Situationen, in denen ich mich als Leser auch ein Stück weit wieder erkannt habe. Zwangsläufig tat ich es ihm gleich und wurde nachdenklich.
Freund hat sich mit den Beschreibungen seiner Figuren, denke ich, bewusst zurück gehalten, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sie für sich selbst zu gestalten. Gerade deswegen kann jeder Leser die Figuren unterschiedlich erleben und mit ihnen sympathisieren. Auch in der Handlung gab es immer sehr viel Freiraum, um der eigenen Phantasie freien Lauf zu lassen und Szenen für sich weiterzuspinnen. Viele Sätze hatten eine besondere Wirkung, einen besonderen Klang und um diesen vollends entfalten zu lassen, musste ich sie öfter lesen, um sie richtig genießen zu können. Einige Zitate ließen mich nicht mehr los und mussten in meinem „Die schönsten Zitate-Buch“ verewigt werden. Diese Geschichte hat nicht nur durch die imposante Kulisse in mir ein unstillbares Fernweh ausgelöst und ich habe mich nach dem Lesen direkt ins Reisebüro begeben, um eine Hütte in den Bergen zu mieten (leider mit Strom und fließend Wasser). Als Reiseführer werde ich „Liebe unter Fischen“ mitnehmen und es während der Zeit auf der Hütte erneut lesen. Und wahrscheinlich werde ich dabei über viele neue Aspekte stolpern und die Geschichte noch einmal neu erleben.

Liebe unter Fischen“ von René Freund ist eine erfrischende, lustige, liebenswerte und intelligente Geschichte, die man immer wieder hervorholen kann, wenn man seine Laune verbessern möchte oder einen kleinen Urlaub vom Alltag braucht. Es ist eine Geschichte, die von seinen sehr menschlichen Figuren, Situationskomik und spritzig flotten Dialogen lebt und ein Garant für gute Laune ist.


Liebe unter Fischen von René Freund
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten 
Erscheinungstermin: 28. Januar 2013 
ISBN: 978-3552062092

Kommentare:

Chimiko hat gesagt…

Ich finde, du hast den Charakter des Buches perfekt getroffen :D
Tolle Rezension, einfach nur passend.

Liebe Grüße
Chimiko

Kathrineverdeen hat gesagt…

Dankeschön! Es war aber auch ein tolles Buch. Mehr davon!!!
LG

karin hat gesagt…

Hallo,

scheint eine nette Geschichte zu sein. Und nun wie mir scheint, eines Deiner Lieblingsbücher zur Zeit..augenzwickern.

Schönes Wochenende..LG..Karin...

Kathrineverdeen hat gesagt…

Oh meine Messlatte liegt sehr hoch...:-) aber es ist toll! LG

Die Leserin hat gesagt…

Ich hab das Buch heute gekauft und nach dem Lesen deiner Rezension, ist meine Erwartungserhaltung noch höher gestiegen. Da es ja mit Glattauers "Gut gegen Nordwind" verglichen wird, erwarte ich auch sprachlich einiges. Bin schon ganz gespannt auf das Buch, denn dich hat es ja begeistert;).
LG Iris

Kathrineverdeen hat gesagt…

Diesen Vergleich habe ich auch schon oft gehört. Ich kann es schlecht vergleichen, denn von Glattauer habe ich bis jetzt nur ein Buch gelesen. Ich wünsche dir viel Spaß mit dem Buch!
LG

Eli hat gesagt…

Jetzt habe ich erstens Lust dieses Buch zu lesen und zweitens ebenfalls Urlaub zu machen! Tolle Rezension, denn ich habe dem Buch zuvor nie sonderlich Beachtung geschenkt und nun ist es auf meiner Wunschliste:)

Liebe Grüße

Kathrineverdeen hat gesagt…

Ich kann es sehr gut verstehen :-) Beim Lesen wird die Sehnsucht nach einem Urlaub noch größer.
LG

Die Leserin hat gesagt…

Mit diesem Vergleich wirbt der Verlag für das Buch, deswegen war ich anfangs so skeptisch. Jetzt hab ich das Buch begonnen und kann sagen, ja, es gibt durchaus eine Ähnlichkeit mit Glattauers Schreibstil.

Kathrineverdeen hat gesagt…

Dann bin ich gespannt auf deinen Bericht ! LG

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