Mittwoch, 17. April 2013

[Rezension] "Die Welt ist eine Scheibe" von Alexandra Kuitkowski

 "Die Welt ist eine Scheibe" von Alexandra KuitkowskiDie sechzehnjährige Wiebke sitzt auf einem alten Baum, während unter ihr die Hölle losbricht. Brennendes Heu, welches sie selbst aus Rache angezündet hat und ihrer Familie wohl teuer zu stehen kommt, denn über viele Mittel verfügen sie nicht. Sie versucht nicht zu fliehen, beobachtet lieber die Reaktionen der Dorfbewohner, die durch das Feuer angezogen werden. Je länger sie das Geschehen beobachtet, umso mehr kreisen ihre Gedanken um das Leben in diesem Dorf, die tragischen Schicksale die sie hier schon erlebt hat und sinnt über ihre Racheaktion nach.
In „Die Welt ist eine Scheibe“ von Alexandra Kuitkowski reflektiert Wiebke für den Leser, während sie wie aus der Vogelperspektive auf das Dorf niederblickt, welche Verwicklungen zu dem Racheakt führten. Während sie dort oben auf dem Baum in sicherer Entfernung zum Feuer und zu den Dorfbewohnern sitzt, muss sie daran denken, wie viele Träume und Wünsche ein jeder von ihnen in jüngeren Jahren gehabt hat und was daraus geworden ist. Auch sie befürchtet, diesem ländlichen Alltag wohl nie entfliehen zu können. Aber genau das möchte sie nicht und berichtet von ihrer Lust auf das Leben und von großen, bis jetzt unerfüllten Wünschen und Sehnsüchten. Jedoch ist es nicht so einfach, wenn man aus einer Bauersfamilie stammt, die schon auf neun Generationen zurückblicken kann. Sie vergleicht es mit der Welt als Scheibe: Manche fallen und einige bleiben kleben. Bei dem Versuch auszubrechen, hat sie Angst zu fallen.

„Die Welt ist eine Scheibe. Beweis: Manche fallen runter, ein ständiges Stürzen und Aufschlagen, die meisten merken es bloß nicht. Wiebke kennt einige, die fallen, und etliche, die kurz davor sind. Und sie? Im Endeffekt könnte sie (wie ihre Mutter) zu den Klebenbleibern gehören, nur so ein Gefühl. Ziemlich lausige Vorstellung.“ Seite 27

Wiebke beschreibt ihren ungeliebten Alltag, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die Leser lernen so, Wiebke und ihre Familie Stück für Stück besser kennen und können mit jedem Kapitel die Puzzleteile zusammenfügen und verstehen, warum Wiebke so verzweifelt war und aus Rache das Heu, welches für die Familie so wertvoll wie Gold ist, angezündet hat. Leider konnte Wiebke mich nur selten mitreißen und hat mich manchmal mit ihrer sehr kummervollen und pessimistischen Art verstimmt. Die ganze Geschichte hat dadurch einen sehr melancholischen Charakter erhalten, an dem ich keine Freude hatte. Auch durch Wiebkes sprunghafte und zum Teil zusammenhangslose Erzählweise - die die Verwirrung des Mädchens gut beschrieb -, wurde die Handlung teilweise etwas zäh und verworren. Gefallen hat mir hingegen die Mischung aus verschiedenen Sprachstilen, die sehr zu Wiebkes vielschichtigen Charakter passen und diesen unterstreichen.

Die Welt ist eine Scheibe“ von Alexandra Kuitkowski konnte mich leider nicht durchgehend begeistern. Die Handlung war für meinen Geschmack etwas zäh und der Geschichte fehlte es an Tiefe. Die sehr pessimistische und trübe Stimmung zog sich durch das ganze Geschehen und konnte mich trotz des besonderen Sprachstils nicht mitreißen.


Die Welt ist eine Scheibe  von Alexandra Kuitkowski
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten 
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2013 
ISBN: 978-3455403596

Kommentare:

Druckbuchstaben hat gesagt…

Huhu,

schade, dass dich das Buch nicht vollends begeistern konnte. Trotzdem schön, dass du dem Buch neben einigen Kritikpunkten auch etwas Positives abgewinnen konntest. Mir hat es neben Wiebke auf dem Baum sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist einfach toll.

LG
Anja

Kathrineverdeen hat gesagt…

Ja, es gab viele positive Reaktionen auf dieses Buch. Leider konnte mich die Autorin nicht mit ihren sehr schönen Worten einfangen. Es war mir alles zu trübe und depressiv.Schön, dass es dir gefallen hat. LG

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