Freitag, 5. April 2013

"Der Weg der gefallenen Sterne" von Caragh O'Brien

Bildquelle: Heyne
Wer die beiden ersten Bände der dystopischen Birthmarked-Trilogie, Die Stadt der verschwundenen Kinder und Das Land der verlorenenTräume, nicht kennt, sei vor möglichen Spoilern gewarnt und sollte diesen Beitrag lieber nicht lesen. Lest stattdessen die Vorgänger, es lohnt sich!

Nachdem Gaia Stone zur Anführerin Sylums gewählt wurde, steht fest, dass für ein sicheres Fortbestehen der Bevölkerung das Verlassen der tödlichen Sümpfe obligatorisch ist. So gründet sie New Sylum und begibt sich mit allen Anhängern auf die große Reise durchs Ödland Richtung Enklave, wo es Wasser und Platz genug für jeden geben sollte. Doch vor den Toren der Stadt muss sie feststellen, dass sich viel in ihrer alten Heimat verändert hat: Während vor der Mauer die ärmlichen Bürger Wharftons mehr denn je zur Rebellion bereit sind, hat sich die unerbittliche Einstellung des fanatischen Protektors, der nicht vor Folter und Genozid zurückschreckt, verschlimmert. Als er schließlich ein Versprechen bricht und der jungen Hebamme stattdessen ein äußerst inhumanes Ultimatum stellt, fasst sie einen Entschluss: Es ist an der Zeit, die Mauer endlich niederzureißen...

Caragh O'Brien überzeugte mich bereits mit den beiden Vorgängern der futuristischen Trilogie, deren Hauptthematik sich um das Überleben der Menschheit, das durch genetische Fehlentwicklungen bedroht ist, dreht. Sie bleibt auch im dritten Band ihrer bisherigen Linie treu, will heißen: Einmal angefangen, legt der Leser das Buch erst nach der allerletzten Zeile aus der Hand. Die Autorin versteht es, die Spannung von Kapitel zu Kapitel aufrechtzuerhalten und verpasst der Reihe ein überzeugendes Ende.
Dabei kommt dieser Roman nicht ganz ohne Schwächen daher. Die junge Protagonistin Gaia Stone beispielsweise ist nicht makellos. Ihre Entscheidungen haben oft schlimme Entwicklungen zur Folge, sie wirkt zeitweise unreif und idealistisch, was anderen bisweilen gehörig schadet. Natürlich steht sie stets und überall im Mittelpunkt, denn sie ist die beste Hebamme, die beliebteste Anführerin, diejenige mit der begehrten Blutgruppe, die einzige mit wichtigem Hintergrundwissen. Zufällig ist es ihr Bruder, der für die Realisierung der finalen Pläne unabkömmlich ist. Der kennt sie bis dato zwar gar nicht, ist aber natürlich sofort auf ihrer Seite um gegen seinen eigenen Führer vorzugehen. Zwei ihrer wichtigsten Vertraute sind die Chardo-Brüder, denen sie zwar falsche Hoffnungen gemacht hat, weswegen der eine am Pranger gelandet ist, die aber selbstverständlich aus lauter Liebe zu ihr weiterhin ihr Leben für sie riskieren. Obwohl sie inzwischen mit jemand anderem zusammen ist. Dieser Jemand ist Leon, der Sohn des Protektors, den sie ebenfalls im Stich gelassen hat und der ihr inkompetentes Führungskonzept einfach untergräbt, indem er selbst heimlich die Dinge in die Hand nimmt. Das alles hört sich alles undurchdacht und anstrengend an, meint ihr jetzt, nicht wahr?
Ist es aber keineswegs. Wenn man mit einem reflektierten, objektiven und realistischen Anspruch an dieses Buch geht, wird man höchstwahrscheinlich bald aufgeben. Aber Trivialliteratur muss nicht realistisch sein. Sie soll vor allem unterhalten. Und das tut dieser Roman von der ersten bis zur letzten Zeile. Dieser phänomenale Abschluss der Reihe läuft geradezu über vor mitreißenden Motiven und spannenden Handlungssträngen, die allesamt vom Leser verschlungen werden. Die gesamte Handlung wird durchzogen von zarter Romantik und großen Gefühle, enttäuschten Hoffnungen und erfüllten Träumen, bedingungsloser Freundschaft und erbitterter Feindschaft; grausame Morde und traurige Todesfälle werden von hoffnungsvollen Geburten und unerbittlichem Lebenswillen abgelöst; grenzenlose Liebe und fanatischer Hass führen zu revolutionären Umstürzen, idealistischen Kämpfen und der Etablierung neuer Werte. Gaia, so fehlerhaft sie sich auch verhalten mag, wirkt so menschlich und eigensinnig, dass man sie einfach in sein Leserherz schließen muss und mit ihr all die anderen Menschen, die sie auf ihrer Reise begleiten. Die Autorin hat Figuren geschaffen, die man liebt oder verabscheut, die aber niemals wirkungslos bleiben.
Zum Sprachstil möchte ich ausnahmsweise nicht viel sagen und das soll hier als Kompliment gemeint sein. Denn die Handlung ist so rasant, dass ich weder Zeit noch Lust hatte die Formalitäten zu analysieren. Ich wollte einfach wissen, wie es weitergeht. Und das ist ein sehr, sehr gutes Zeichen. Ein einziger Fehler ist mir beim Lesen aufgefallen – und der war auch noch so niedlich, dass ich mich darüber gefreut habe: die schreckliche Unfurchtbarkeit (gemeint war Unfruchtbarkeit).

Jeder einzelne Band der Birthmarked-Trilogie ist enorm empfehlenswert. Die Reihe überzeugt durch konstant gehaltene Spannung. Neue Ideen und Wandlungen werden von der Autorin eingebaut, ohne dass die Handlung ins Absurde zu rutschen droht. Das große Finale lässt den Leser höchst befriedigt, aber auch mitgenommen zurück. Wer sich mit Gaia Stone auf die Reise begibt, der wird lachen, trauern, mitfiebern, wüten und lieben – kurz: Man wird fabelhaft unterhalten. Für mich war Caragh O'Brien die beste Debutautorin der letzten Zeit mit einer der besten Jugend- Dystopien, die ich gelesen habe.


Birthmarked - Der Weg der gefallenen Sterne von Caragh O´Brien
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. April 2013
ISBN: 978-3453267435

Kommentare:

bookscolorsandflavor hat gesagt…

Hallo,

ich glaube, ich hab etwas für dich. :)
Schau mal auf meinem Blog vorbei.. bevor die Frist Montag abläuft! :p

Liebe Grüße
Elli

Kathrineverdeen hat gesagt…

Danke!!!! Ich freue mich wie verrückt :-) Hast ne mail! LG

Kathrineverdeen hat gesagt…

Und der lieben Krinkelkroken möchte ich mal sagen, dass sie Schuld daran ist wenn mein Freund mich und meine Bücher rauswirft ;-) Denn mein Regal wächst nach dieser wunderschönen Rezension weiter an. LG

Tine hat gesagt…

Ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen, aber TRIVIAL ist die Reihe insbesondere "Der Weg der gefallenen Sterne" auf keinen Fall!!

lg. Tine =)

Krinkelkroken hat gesagt…

Du bist so süß. Vielen Dank für das Kompliment. Aber ich ich glaube nicht, dass er dich missen wollte. Und wenn doch, kannst du gerne bei mir einziehen, ich habe (noch) genug Regalplatz - oder wir mieten die Nachbarswohnung dazu. :D

Krinkelkroken hat gesagt…

Danke, das hört man gerne. Trivial muss ja nicht immer schlecht sein. Es kann auch heißen, dass es einfach Unterhaltungsliteratur ist. Und Hohe Literatur ist es nunmal nicht, das ist sicher. So oder so ist die anze Reihe sehr lesenswert. Für mich durch die Mischung an politisch-soziologischer Brisanz und mittelalterlichem Flair ein Dystopie-Highlight!

Kathrineverdeen hat gesagt…

Hahaha! Danke für das Angebot! Ich glaube wir könnten dann eine Bibliothek eröffnen!
Meine Bücher haben schon ihr eigenes Zimmerchen.

Nein ich denke wegen der vielen Bücher wird er mich wohl nicht verlassen ;-) Hoffe ich!
LG

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