Mittwoch, 20. März 2013

[Rezension] "Wispernde Schatten" von Daniel Blythe

 "Wispernde Schatten" von Daniel Blythe
Bildquelle: Carlsen
Nach dem Tod ihres Vaters zieht Miranda mit ihrer Mutter ins englische Firecroft Bay. Jede Nacht wird in schrecklichen Albträumen von einem körperloser Schatten heimgesucht. Schnell wird klar, dass die Albträume längst nicht das unheimlichste Phänomen in dem neuen Städtchen sind: Ein Bus, in dessen Innenraum auf dem morgendlichen Schulweg Blitzeis aufkommt, explodierende Computer und merkwürdige Stromausfälle deuten auf die Präsenz eines übernatürlichen Wesens hin. Miranda trifft auf einige andere Jugendliche, die, wie sie, übersinnliche Fähigkeiten besitzen. Gemeinsam versuchen sie hinter das Geheimnis von Firecroft Bay zu kommen und geraten dabei in größte Gefahr...

Liebe Leseratten, eine Rezension zu Wispernde Schatten zu schreiben, fiel mir gar nicht leicht. Es gibt wie so oft positive und negative Aspekte, die erwähnt werden sollten, ohne natürlich zu viel von der Handlung preiszugeben. Kommen wir zunächst zu den negativen:

Der Sprachstil des Autors ist eher gewöhnungsbedürftig. Damit meine ich nicht, dass der Jugendslang – das Geschehen wird aus der Sicht der Protagonistin Miranda geschildert – stört, denn der darf in einem Jugendbuch durchaus vorkommen und ist meiner Meinung nach dem Sprachstil der vorgesehenen Zielgruppe angemessen. Leider bleibt dem Leser der Grund für den umgangssprachlichen Ton verborgen, denn er wirkt weder witzig noch glaubhaft. Ich habe mich mal bei anderen Rezensionen umgeschaut und bin hinsichtlich des Sprachstils auf Ausdrücke wie „pfiffig“, „sehr jugendlich“, „ruppig“ und „salopp“ gestoßen, die tatsächlich alle gleichermaßen zutreffen. Einerseits wirkt die Erzählweise also authentisch. Andererseits liest sie sich aber weniger „frech“ als wahrscheinlich beabsichtigt, sondern eher gekünstelt und ordinär. Perspektive und Sprache erinnerten mich anfangs an Untot – Lauf,solange du noch kannst, ein anderes Jugendbuch aus dem Chicken House Verlag von Kristy McKay. Bei Letzterem wirkte der burschikose und gewollt amateurhafte Ton eher witzig und „entgruselnd“, hier eher aufgesetzt..
Was bei Wispernde Schatten weiterhin stört, ist die Oberflächlichkeit der Erzählweise. Durch die eingeschränkte Erzählperspektive werden dem Leser wichtige Hintergrundinformationen vorenthalten, die zur Spannung beitragen würden. Da Miranda zunächst eher zögerlich Freundschaften schließt, bleibt sie isoliert. Ihr Verhalten ist insgesamt wenig nachvollziehbar, sie wirkt zickig und Ich-bezogen. Obwohl ihr vom Autor krachledernes Selbstbewusstsein auf den fiktiven Leib geschneidert wurde, lässt sie sich paradoxerweise permanent von sämtlichen Mitmenschen unterbuttern und bevormunden. Die anderen Figuren wirken flach und obendrein unsympathisch. Auch angedeutete Vorgeschichten der Charaktere werden nicht zufriedenstellend aufgelöst oder weitererzählt. Leider werden die Figuren derart oberflächlich dargestellt, dass ich mich beim Schreiben dieser Rezension an keinen einzigen Namen mehr erinnern konnte und meinem Gedächtnis mit einem Blick in die Buchseiten auf die Sprünge helfen musste. Das sagt einiges über die Wirkung der Geschichte aus. Obwohl Miranda von der geheimnisvollen Geisterjäger-Gruppe mehr oder weniger genötigt wird mitzumachen, sind die Mitglieder nicht ehrlich zu ihr; sie schrecken weder vor Intrigen noch vor Gewalt zurück, um die Protagonistin gefügig zu machen.
Wenn ihr, liebe Leser, von jemandem, dem ihr sowieso schon misstraut, hintergangen und betäubt werdet – schließt ihr euch demjenigen dann auch noch an? Ich bezweifele das.

Wirklich gelungen (und deutlich in Erinnerung geblieben) dagegen sind Setting und Ambiente. Die beschriebene Atmosphäre des – vermeintlich – malerischen Küstenstädtchens in England lässt die ein oder andere Urlaubslaune aufkommen und der Schauplatz der Geisterjagd, ein düsteres Kloster über der Stadt, sorgt für den nötigen Gruselfaktor. Vor allem wer die Kombination aus Meer, Gespensterjagd und Freundschaft mag (wer mag das nicht?), wird in diesem Punkt auf seine Kosten kommen. Insgesamt fehlt es der Geschichte nicht an Spannung, die Handlung rund um die Geistergeschichte ist rasant und schaurig erzählt. Die Auflösung des Mysteriums lädt zum Mitraten ein und ist am Ende doch einigermaßen überraschend.

Leider setzt sich die Stimmung einer Geschichte nicht nur aus Lokalkolorit und Landschaft zusammen. Auch Figuren und Sprache spielen eine wichtige Rolle. Die beiden letzten Faktoren sind in diesem Roman etwas zu kurz gekommen. Nichtsdestotrotz hat Daniel Blythe bei seinem Debut viel Talent bewiesen und sollte unbedingt weitere Geschichten schreiben. Dieser Roman ist zwar noch nicht perfekt. Ich hoffe aber, dass wir in Zukunft noch von diesem Autor hören werden.  
Wispernde Schatten ist eines jener Jugendbücher, die tatsächlich nur für die empfohlene Altersklasse geeignet sind. Wer älter als 15 Jahre ist, der wird etwas Tiefgang vermissen. Für jüngere Leser hat dieses Abenteuer hingegen mit Sicherheit seinen Reiz und wartet mit einer geheimnisvoll-düsteren Atmosphäre auf, die an abenteuerliche Jugendbuchserien wie Enid Blytons „Fünf Freunde“ erinnert.


Wispernde Schatten von Daniel Blythe 
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten 
Erscheinungsdatum: März 2013 
ISBN: 978-3551520463



Kommentare:

Kathrineverdeen hat gesagt…

Vielen Dank liebe Krinkelkroken für den sehr schönen und ausführlichen Bericht. Vieles habe ich ebenso empfunden.
LG

Anonym hat gesagt…

Danke für deinen Kommentar, Kat! Ich finde es großartig, deinen tollen Blog mit ein paar Rezis unterstützen zu dürfen.
Schön, dass dir diese Rezi gefallen hat und du meine Kritik nachempfunden hast.
LG,
Krink

Kathrineverdeen hat gesagt…

Jetzt werde ich rot. :-) LG

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