Freitag, 8. März 2013

[Rezension] "Schneckenmühle" von Jochen Schmidt


„Stell dir mal vor, es ist nichts mehr da, wenn wir nach Hause kommen, daß unsere Heimat nicht mehr existiert.“ Seite 207

Es ist der Sommer 1989 in der DDR. Ein Sommer, den der 14 jährige Jens im sächsischen Ferienlager „Schneckenmühle“ verbringen wird. Noch ahnt er nicht, dass dieser Sommer alles verändern wird und genießt die Annehmlichkeiten des Ferienlagers in vollen Zügen. Neben den ungeliebten Wanderungen, Ausflügen und der abendlichen Disco gibt es hier in „Schneckenmühle“ endlose Nächte, die man gut mit Streifzügen zu den Bungalows der Mädchen und ewigen Gesprächen - ohne ungewünschte Zuhörer wie die Gruppenleitern - füllen kann.

Als ich „Schneckenmühle“ von Jochen Schmidt entdeckte, war ich hellauf begeistert und begab mich sofort auf eine kleine Zeitreise mit Jens. Zurück in meine Kindheit und in meine Heimat, die so wie Jens sie in diesem Buch kennt, längst nicht mehr existiert. Hinzu kam, dass ich selbst in einem Sommer genau dieses Ferienlager im Buch besucht habe und viele Erinnerungen an diese Zeit noch sehr präsent bei mir sind. Gespannt war ich auf die Umsetzung des Umbruchs in der DDR durch die Augen eines pubertierenden 14-jährigen Jungen und begann erwartungsvoll mit dem Lesen.
Jens erzählt den Lesern viel über den Alltag und sein Leben in der DDR und den damit verbundenen Schwierigkeiten. Wir begeben uns mit ihm auf die Reise nach „Schneckenmühle“ und erleben einen Sommer, der alles verändern soll. Fasziniert hat mich, dass die Jugendlichen in diesem Buch in einer eigenen Welt leben. Nur wenige Informationen überwinden die Zäune von Schneckenmühle.
Durch Schmidts sprunghafte Erzählweise hatte ich einige Probleme, dem Geschehen zu folgen. Er beschreibt immer wieder Situationen, die für den Leser Zusammenhangslos erscheinen. Die Geschichte wirkt oft abgehackt und unvollständig und wurde für mich zu einer großen Herausforderung. Immer wieder musste ich animiert werden, dieses Buch weiterzulesen, wenn auch in einem Schneckentempo. Auch die Charaktere wurden in diesem Stil gestaltet und blieben bis auf Jens sehr blass. Jens bekam durch diese Erzählweise etwas sehr unruhiges und seine Gedanken - an denen er die Leser teilhaben lässt - verursachen immer wieder ein heilloses Durcheinander. Trotzdem passte es zu diesem Jungen. Er ist 14 Jahre alt, bemerkt, nicht nur an sich, viele Veränderungen und erlebt das erste Verliebtsein.
Positiv habe ich die sehr hitzigen aber auch sehr witzigen, meist im Berliner Dialekt geführten Dialoge unter den Jugendlichen empfunden.

„Der ist bestimmt rüber“, sagte Holger 
„Rüber? Wie denn?“ 
„Na, über Ungarn.“ 
„Und die Mauer?“ 
„Was denn für‘ne Mauer?“
„Na, in Budapest, das ist doch die Hauptstadt von Ungarn“ Seite    98

 „Schneckenmühle“ ist ein jugendliches Buch, das sich einem wichtigen und sehr interessanten Thema beschäftigt. Leider konnte es meine Erwartungen nicht ganz erfüllen, hat aber einige Erinnerungen in mir wachgerufen.


Schneckenmühle von Jochen Schmidt
Gebundene Ausgabe: 220 Seiten 
Verlag: C.H. Beck
Erscheinungstermin: 12. Februar 2013 
ISBN: 978-3406646980

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