Samstag, 2. März 2013

[Rezension] "Feuer" von Sara Bergmark Elfgren und Mats Strandberg

Feuer - Sara B. Elfgren, Mats Strandberg, JugendbuchEs ist Hochsommer in der schwedischen Kleinstadt und die fünf Auserwählten erwarten das angekündigte Urteil des Hohen Rates. Jegliche Anwendung von Magie ist den Mädchen strengstens untersagt, doch das Böse ist im Begriff erneut zuzuschlagen. Die Bevölkerung von ganz Engelsfors zeigt sich von einer mysteriösen Sekte betört, die hinter verschiedenen Mordanschlägen zu stecken scheint. Fieberhaft versuchen Anna-Karin, Linnéa, Ida, Minoo und Vanessa die Machtergreifung der Dämonen aufzuhalten, das Geheimnis der Bewegung zu lüften und die Apokalypse zu verhindern.

Nach dem gelungenen Debut des schwedischen Autorenduos Sara Bergmark Elfgren und Mats Strandberg, waren die Erwartungen an die Fortsetzung entsprechend hoch. Das Niveau zu halten, ist den Autoren soweit durchaus gelungen. Eine Steigerung allerdings ist nicht zu verzeichnen. Aber kommen wir zuerst zu den positiven Merkmalen.

Die Protagonistinnen sind die große Stärke des Romans. Jedes der fünf Mädchen des Hexenzirkels wurde von den Autoren äußerst liebevoll entworfen und bietet viele Identifikationsmöglichkeiten. Jede der Junghexen hat charakterliche Stärken und Schwächen. Aussehen, Hintergrund und Persönlichkeit sind aufeinander abgestimmt und realistisch beschrieben. Dass darüber hinaus auch außer-fantastische Sorgen der Teenager zur Sprache kommen und dadurch viele Themen angeschnitten werden, die im Allgemeinen (zu) wenig Beachtung finden, wie sexuelle Unsicherheit, Nebenwirkungen der Pille und Bisexualität, ist besonders beifallswürdig. Da ein personaler Erzähler im Wechsel aus der Sicht der einzelnen Mädchen erzählt, liest sich die Handlung flüssig und jede individuelle Geschichte wirkt nachvollziehbar und illustrativ.

Das skandinavische Flair der fiktiven Kleinstadt stellt den zweiten lobenswerten Punkt dar. Die bedrohliche Atmosphäre des ersten Bandes wird aufgenommen und fesselt durch eine gelungene Mischung aus Melancholie und vermeintlicher Idylle.

Leider fehlt der Funke, der die Fortsetzung zu einem lodernden Leseerlebnis werden lässt. Der Name des Buches lautet zwar Feuer. Doch zwischen den Buchseiten ist nicht kein Häufchen Glut zu entdecken, weder inner- noch außerfiktional. Schriftstellerisch gibt es nichts zu bemängeln; für einen spannenden Plot ist gesorgt, die Figuren entwickeln sich weiter, ein paar offen gebliebene Fragen werden aufgeklärt. Exposition, Steigerung, Peripetie, retardierendes Moment, Dénouement: es ist alles da, was zu einer dramatischen Handlung dazugehört. Aber der Ablauf, die neuen Konflikte und das große Finale sind nach exakt dem gleichen Muster seines Vorgängers gestaltet und bieten wenig Neues. Die Antworten kommen spärlich und zu viele neue Fragen werden aufgeworfen. Dabei wirkt der fantastische Handlungsstrang schleppend und unglaubwürdig. Um Spoiler zu vermeiden, soll an dieser Stelle nicht detailliert auf die Handlung eingegangen werden. Stattdessen soll das Problem kurz abstrakt skizziert werden:

Dass die Mädchen hinter dem Rücken eines eigentlich mächtigen Verbündeten, der aber aufgrund seiner Hybris die Augen vor der Wahrheit verschließt und stattdessen den einzigen Schlüssel zur Abwendung der Apokalypse unter mittelalterlichen Methoden an den Pranger stellt, obwohl wir uns im 21. Jahrhundert befinden, an verschiedenen Fronten kämpfen, ohne nahezu irgendeine Hilfe, weil ihr einziger Beschützer aus welchen Gründen auch immer, beschlossen hat, sich zu verdrücken, wirkt, nun ja, nicht unbedingt glaubwürdig. Das wäre aber noch nicht einmal das Problem, wenn der Leser dabei gut unterhalten würde. Leider ist die Haupthandlung rund um die Sekt „Positives Engelsfors“ eher anstrengend als mitreißend; viele Ungerechtigkeiten drosseln den Lesespaß; über die Hintergründe der übernatürlichen Erscheinungen erfährt der Leser zu wenig.

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die Haupthandlung stagniert. Für über 700 Seiten wird etwas zu wenig origineller Inhalt geboten. Es gäbe kein Problem mit der Länge des Buches, wenn es auf jeder einzelnen Seite das Alltagsleben der Protagonistinnen beschrieben hätte, das vor dem Hintergrund der düsteren Atmosphäre überaus lesenswert ist. Aber durch die wenigen Weiterentwicklungen der Haupthandlung des Vorgängers (und stattdessen einer Konzentration auf ein weiteres temporäres Abenteuer rund um einen abermaligen Versuch der Machtergreifung seitens der Dämonen), schreit dieser Band nach Stagnation. Er steht dem ersten prinzipiell in nichts nach – die Atmosphäre ist düster, die Charaktere glaubwürdig und der Plot dramatisch, aber all das liest sich wie eine Wiederholung der Ersthandlung. 

Welcher Leser freut sich nicht, wenn die Fortsetzung eines großartigen Buches ganz in der Tradition des Vorgängers steht. In diesem Fall ist die Anlehnung leider etwas über das Ziel hinausgeschossen. Wer von Zirkel begeistert war, den wird auch Feuer nicht groß enttäuschen können. Allerdings wird er auch keine unvorhersehbaren Wendungen oder mitreißende Auflösungen präsentiert bekommen. Feuer ist Zirkel reloaded und damit nicht schlecht, aber auch nicht phänomenal. Wer Lust auf einen skandinavischen Jugendthriller mit Fantasy-Elementen hat, den wird dieser Band, ebenso wie sein Vorgänger, gut unterhalten. Wer sich eine dicht verwobene Trilogie mit einer hohen Entwicklungskurve erhofft, den könnte Feuer etwas ernüchtern.

Tipp: Auch bei dieses Fortsetzung empfiehlt es sich unbedingt vorher den ersten Band der Reihe zu lesen, da trotz der in sich abgeschlossenen Handlung viele Anspielungen und Hintergründe nur mit Vorkenntnissen nachvollziehbar sind.
Im März 2014 soll der dritte Band der Trilogie mit dem Titel Schlüssel herausgebracht werden. Obwohl die Bücher mit ihrem schön gestalteten Einbänden ein Blickfang für jedes Regal sind, haben sie mit ihren durchschnittlich rund 700 Seiten viel Gewicht und gehen, jedenfalls im Falle von Feuer, nicht mehr als Büchersendung durch. Wer sich also unsicher ist, ob die Reihe etwas für ihn ist, kann sich die Bände leihen oder auf die Taschenbuchausgaben warten. Natürlich gibt es jeden Band auch als Ebook-Ausgabe.
Außerdem findet ihr hier: http://www.engelsfors-trilogie.de/charaktere/ alle Infos rund um den zweiten Teil, wie zum Beispiel Bilder der Charaktere und viel mehr.




Engelfors- Trilogie 02 Feuer von Sara Bergmark Elfgren und Mats Strandberg
Gebundene Ausgabe: 727 Seiten 
Verlag: Dressler 
Erscheinungsdatum: 1. Februar 2013 
ISBN: 978-3791528557

Kommentare:

Sharon hat gesagt…

welch schande, ich war noch gar kein leser bei dir ^^. jetzt aber. schöne seite und schöne rezi. hab feuer auf meiner wuli und zirkel auf meinem sub. bin gespannt.

lg,

sharonsbuecher.blogspot.com

Kathrineverdeen hat gesagt…

Schande über dein Haupt :-) Ja Krinkelkroken schreibt wirklich tolle Rezis und ich bin froh, dass sie mich hier unterstützt! LG

Anonym hat gesagt…

Wie lieb von dir! Die Freude ist aber ganz auf meiner Seite, es macht wirklich Spaß mit dir und deinem großartigen Blog!
:* Krink

Anonym hat gesagt…

Na, dann jetzt aber! ;) Da bin ich auch gespannt, wie es dir gefallen wird, vielleicht magst du nach dem Lesen ja ein kurzes Feedback geben. Aber du kannst natürlich auch warten bis alle drei draußen sind und dann in einem Schwupps lesen. :D
LG, Krink

Kathrineverdeen hat gesagt…

:-) Ich freue mich, dass es dir auch Spaß macht! LG

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