Dienstag, 26. Februar 2013

"Hexenflüstern" von Sabine Städing

„Nach oben hinaus und nirgends an!“ Die Sommerferien sind endlich da und Magnolia fliegt zusammen mit Tante Linette und ihrer Hexenfreundin Jörna in die USA – allerdings per Flugzeug und – zu Linettes Leidwesen – nicht per Besen. Dort besucht sie zunächst ihre Mutter, bevor es weiter auf den internationalen Hexenkongress geht, wo sie in einem Jugendcamp für magische Wesen jede Menge neue Dinge lernt. Nebenbei ist Tante Linette auf geheimer Mission unterwegs, denn sie soll den sagenhaften Beryll vor den Fängen der Gorgonen retten. Doch die mächtigen Gegner sind schon auf dem Weg diesen Plan zu vereiteln – und um das kostbare Kleinod an sich zu reißen ist ihnen jedes Mittel recht...

Nachdem ersten spannenden Abenteuer in Rauschewald, geht es nun im zweiten Band über den Ozean nach Amerika, das Land der unbegrenzten Magierkeiten, ähm...Moment: Möglichkeiten! Im ersten Teil des Buches besucht Magnolia ihre Mutter mit deren neuem Freund und verbringt ein paar schöne Tage in Connecticut. Auch ihren Vater sieht sie nach langer Zeit wieder. Der Leser erfährt so einiges über ihre Hintergründe, indem er an dem Familienleben der Protagonistin teilnimmt. Natürlich kommt der Spaß dabei nicht zu kurz, denn Magnolia und ihre Freundin haben ihre magischen Fähigkeiten natürlich nicht in Deutschland gelassen. Als Tante Linette sie zum Zauberkongress abholt, wird es allerdings erst richtig spannend: In Salem treffen die beiden Mädchen auf viele andere Hexen und Fabelwesen aus aller Welt. Von japanischen Yuki Onnas über Satyrn, Vampire und Elfen, bis zu russischen Baba Jagas ist alles an Zauberwesen vertreten, was das Leserherz begehren kann. Und schließlich ist da auch noch Leander, der Halb-Elf, den Magnolia schon aus ihrer Schulklasse kennt und bei dem ihre Gefühle immer mächtig durcheinander geraten. Für die junge Hexe gibt es in diesem Band also mehr als nur ein Abenteuer zu bestehen, denn: Was ist schon ein Beryll, dessen Kraft bei falscher Verwendung die ganze Hexenheit auslöschen kann, gegen die unermesslichen Qualen der ersten Verliebtheit?!
Wie immer hat Städing die Zauberwelt mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail entworfen. Obwohl ich zunächst skeptisch war, ob sich das heimelige Gefühl, dass der erste Band mir verliehen hat, tatsächlich auf einem anderen Kontinent in unvertrauter Umgebung einstellen wird, hat Städing den Ortswechsel mühelos überwunden. Zwar wurde meine Sehnsucht nach Rauschewald in dieser Fortsetzung nicht befriedigt. Dafür ist ein weiterer fiktiver Wohlfühlort entstanden, an den ich mich immer gerne zurückerinnern werde. Egal, ob die nächste Episode in Neuseeland, Rauschewald oder Alaska spielen wird: ich werde dabei sein und vertraue von nun an auf das schriftstellerische Einfühlungsvermögen der Autorin.
Aber nicht nur Setting und Detailvermögen sind stimmig. Zwischen allen Abenteuern lässt Städing wichtige Themen, wie erste Liebe, Freundschaft, Familie und Integration einfließen, die in unaufdringlicher Weise die bedeutenden Themen des Erwachsenwerdens behandeln. Man erfährt nicht nur viel über Legenden und Hexenwesen. Auch für junge Leser weniger reizvolle Themen wie deutsche Geschichte und Verhaltensregeln werden subtil und spannend vermittelt. (Denn, dass es nicht unbedingt eine gute Idee ist, sich von suspekten jungen Herren von einer Party wegführen zu lassen, gilt nicht nur bei Vampiren. Es ist nicht immer ein Elf in der Nähe, der euch rettet!)
Zusammenfassen lässt sich konstatieren, dass Hexenflüstern zu den Büchern gehört, die unbedingt gelesen werden sollten. Nicht weil man ansonsten nicht mitreden kann, oder die Welt sich aufhört zu drehen, weil das neueste Trendbuch verpasst wird. Die Magnolia Steel-Reihe sollte gelesen werden, weil sie mit einer warmherzigen, abenteuerlichen Geschichte nostalgische Lesestunden bereitet und den grauen Alltag etwas magischer macht. Ob der Leser danach seine Weihnachtstanne einpflanzt, auf ein Wispern im Holunderbusch lauscht, oder bei klirrender Kälte japanischen Schneefrauen gedenkt – Städings Bücher verändern.


Die Fortsetzung von Hexendämmerung, Sabine Städings erstem Roman rund um Magnolia Steel, steht seinem fabelhaften Vorgänger in nichts nach. Und nicht nur das, die fiktive Welt der Hexen von Rauschewald steht insgesamt in der Tradition guter, alter Kindergeschichten, wie z. B. dem legendären Kinderbuch Die kleine Hexe. Als glühender Ottfried Preußler-Fan (gibt es Leser, die das nicht sind?) darf ich gestehen, dass das eines der größten Komplimente ist, die ich geben kann und gleichzeitig eine Mahnung, die Jugendbuchserie mit Magnolia Steel auch in Zukunft in würdiger Nachfolge fortzuführen.
 

Tipp: Für das Verständnis und das allgemeine Wohlbefinden sollte der erste Teil Hexendämmerung unbedingt vor Hexenflüstern gelesen werden. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre hiesige Kräuterhexe.





Hexenflüstern von Sabine Städig
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Boje)

Erscheinungsdatum: 15. Februar 2013
ISBN: 978-3414823533


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Eine ausgezeichnete Rezension für ein wirklich ansprechendes Buch!
Nicht nur das Geheimnisvolle und die abenteuerlichen Aktionen, sondern auch das Zwischenmenschliche in Magnolias Erlebniswelt, findet man in vielen liebenswerten Details.

Kathrineverdeen hat gesagt…

Über dieses Lob freut Krinkelkroken sich bestimmt sehr :-) LG

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank, kathrineverdeen hat es ganz richtig erkannt, ich freue mich sehr. Schön, dass du meinen Eindruck bestätigen kannst. :) Für mich war die Entdeckung der Magnolia Steel-Reihe ein (Debut-)Highlight im letzten Jahr.
LG, Krink

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