Dienstag, 15. Januar 2013

"Überlebensgroß" von Mark Watson

Bildquelle: Heyne
Überlebensgroß“, der Titel von Mark Watsons neuem Buch, brachte mich schon vor dem Lesen ins Grübeln. Überlebensgroße Abbildungen kannte ich. Im Bezug auf Menschen, also Überlebensgroß als Eigenschaft, darüber musste ich mir ein paar Gedanken machen. Überlebensgroße Menschen… ob ich ihnen schon begegnet bin? Für mich sind das Kämpfer, die über sich hinaus wachsen und fast unmögliches leisten, also zu großen Taten fähig sind. Unsere Gesellschaft möchte überlebensgroße Menschen haben, ja eigentlich möchte jeder einen überlebensgroßen Freund haben von dem er lernen kann. Doch sind diese Menschen wirklich glücklich oder besser gefragt: Gibt es sie wirklich? Nun Dominic, der Hauptprotagonist von „Überlebensgroß“ erzählt von einem überlebensgroßen Menschen…
Jedes Wochenende ist Dominic umringt von glücklichen Menschen, denn er ist Hochzeitsfotograf und darf somit die glücklichsten Tage der Brautpaare festhalten. Für ihn persönlich scheint das Glück stets bei Anderen Halt zu machen. Er empfindet sich als den typischen Loser, der immer in der letzten Reihe sitzt und immer als letzter wahrgenommen wird und immer im Schatten anderer steht. Einzig seine Schwester wird für ihn ein sicherer Halt, denn sie begegnet ihm auf Augenhöhe und lässt ihn teilhaben an ihrem aufregenden Lebenswandel.

Am Anfang dieser Geschichte durfte ich Dominic ein Stück durch seine Kindheit begleiten und habe erfahren, was und wer ihn prägte. Er ist in einer sehr konservativen Familie groß geworden. Probleme und Gefühle wurden totgeschwiegen. Man sprach einfach nicht darüber. Der Leser erfährt, wie es dazu kam, dass Dominic ein Leben im Hintergrund führt, stets geleitet von Konventionen.
Es ist auch eine Liebesgeschichte, die auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich und verstörend ist. Aber je mehr der Leser von Dominic erfährt, umso klarer wird auch sein Handeln und Lieben.

Überlebensgroß“ von Mark Watson kommt ein wenig schwermütig daher. Dominic kann in meinen Augen sein Glück nicht wahrnehmen und definiert es über andere Menschen. Er verpasst es regelrecht und verbaut sich viele Chancen darauf.
Wenn ich eine Liebesgeschichte lese, dann möchte ich die schönen Seiten auskosten. Den Herzschmerz und jede Gefühlsregung am eigenen Leib spüren. Jedoch Dominics Liebesleben war sehr verstörend für mich, nicht nur wegen einiger Tabuthemen. Seine zum Teil lethargischen Züge haben mich regelrecht verstimmt, provoziert und sehr negative Gedanken heraufbeschworen. Er hat einfach alles über sich ergehen lassen, was im Nachhinein verständlich ist, weil er es einfach nicht anders gelernt hat. Hinzukam kam seine nicht enden wollende Zerrissenheit. Es war immer so, als strebe er ständig nach dem Glück, doch wenn es vor ihm stand, konnte er es nicht sehen. Auch die weniger dichte Handlung war ein Grund, warum ich mit dieser Geschichte nicht warm wurde. Sie ist in einigen Kapiteln sehr zäh, in anderen sehr sprunghaft und verwirrend. Mark Watson schaffte es trotzdem, mit seinem ungewöhnlichen Stil, mich als Leser zu halten, denn ich war gespannt darauf, ob Dominic es schafft, sich weiter zu entwickeln.

Mark Watson hat mit „Überlebensgroß“ keinen schlechten Roman geschrieben. Er wird sicher einige Fans finden. Ich persönlich mochte den Charakter dieser Geschichte einfach nicht, es war mir alles ein wenig zu grau und pessimistisch.



Überlebensgroß von Mark Watson
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten 
Erscheinungsdatum: 12. November 2012 
ISBN: 978-3453437128

Kommentare:

Ines bookshelf hat gesagt…

Ich hatte das Buch bereits in der Buchhandlung in der Hand und habe es dann wieder zurück gelegt.
Irgendwie hast du mich jetzt aber, obowhl es dir nicht so gut gefallen hat, doch neugierig gemacht ...

Kathrineverdeen hat gesagt…

Umso besser :-) Dann bin ich auf deine Meinung gespannt! LG

Friedelchen hat gesagt…

Das klingt sehr interessant, obwohl du mich mit deiner Rezi doch etwas unentschlossen zurücklässt :-) Ich denke, ich werde das Buch mal im Auge behalten.

Kathrineverdeen hat gesagt…

Versucht euer Glück...es ist einfach der Charakter der Geschichte der mich gestört hat :-) LG

Annie hat gesagt…

Pessimistische Bücher lese ich eigentlich nicht so gerne, weil ich sowieso schon oft negativ denke ;) Trotzdem hat auch mich die Rezension neugierig gemacht. Vielleicht ein schwieriger und undurchsichtiger Charakter, der einem aber doch irgendwie gefällt?
Auch der Titel und das Cover sind sehr interessant! Das Buch wird erstmal vorgemerkt!

LG Anni

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