Mittwoch, 21. November 2012

"Stadium Vierzehn" von Elke Hussel

Ein nicht nur von mir heiß diskutiertes Thema in Deutschland ist das hiesige Gesundheitssystem. Beruflich muss ich mich täglich damit auseinandersetzen und sogar vieles kritisieren. Umso neugieriger war ich auf ein Buch, das sich genau mit diesem Thema beschäftig.

Inhaltsangabe: Eine wissensdurstige Homöopathin, ein HNO-Arzt, dessen Praxis gerade in die Insolvenz läuft, ein menschenscheuer Banker, eine medizinische Assistentin, die gern eine Göttin wäre, ein Chemiker, den seine Arbeit krank macht, eine Mutter, die nicht altert, ein Krankenkassenangestellter, der einmal in seinem Leben zu den Gewinnern zählen will – das sind nur auf den ersten Blick die Zutaten dieser Erzählung. Sie alle spielen ihre Rolle und fühlen sich gleichzeitig darin eingeengt. Elke Hussel führt den Leser hinter die Kulissen und Fassaden unserer hoch differenzierten Wirklichkeit und fügt lang schon verstreute Puzzleteile wieder zusammen. Behutsam entspinnt sich ein anderes Denkmodell, das Gedanken und Wissen zusammenführt, statt alles in begreifbare Scheibchen zu zergliedern. In diesem Sinngefüge erklärt die griechische Mythologie den Tod dreier Menschen, zwei Liebende haben keine Wahl, als Verdis Maskenball zu entfliehen, ein herzkranker Mann repräsentiert Deutschland. Und ganz nebenbei liefert das Buch einen spannenden Beitrag zum Krankheitsstand unseres Gesundheitssystems.

Mit hohen Erwartungen habe ich angefangen zu lesen und sehr schnell gemerkt, dass dieses Buch gar nichts für mich ist. In knapp 80 Seiten erzählt Elke Hussel von einigen Schicksalen von Menschen, die alle eine besondere Symbolik für das deutsche Gesundheitssystem darstellen sollten. Leider war es mir nicht immer möglich, den tieferen Sinn in ihren Figuren zu entdecken, wahrscheinlich müsste ich das Buch noch einmal lesen. Die häufigen Perspektivenwechsel, das kurze Anreißen der Charaktere und ein Mangel an Dialogen machten es mir sehr schwer, mich für diese Erzählungen zu begeistern, obwohl der Schreibstil von Elke Hussel sehr angenehm zu lesen ist. Auch von der Kritik der Autorin am Gesundheitssystem hätte ich mir etwas mehr erhofft, da sie für meinen Geschmack viel zu oberflächlich angerissen wurde und hätte präziser dargelegt werden müssen.

In „Stadium Vierzehn“ von Elke Hussel darf der Leser auch einige sehr schöne und besondere Kupferstiche bewundern, die meiner Meinung nach das Gelesene unterstreichen und ergänzen, auf die ich ebenso gut hätte verzichten können, wenn ich stattdessen einiges mehr über die Charaktere erfahren und eine ausführlichere Geschichte bekommen hätte.

Stadium Vierzehn“ von Elke Hussel ist für mich eine etwas oberflächliche Erzählung trotz Schwerpunkt auf der Kritik am Gesundheitssystem. Jedoch ein Buch, das es schafft, den Leser zu animieren, sich mit unserem Gesundheitssystem kritisch auseinander zu setzen.


Stadium Vierzehn von Elke Hussel 
Gebundene Ausgabe: 88 Seiten 
Erscheinungsdatum: 1. Juli 2011 
ISBN: 978-3942829137


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