Montag, 5. November 2012

[Rezension] "Rot wie das Meer" von Maggie Stiefvater

Rot wie das Meer - Maggie Stiefvater, Roman
Bildquelle: Script5
Jedes Jahr, wenn der Herbst auf die Insel Thisby zurückkehrt und seine tausend Farben verteilt hat, spuckt das Meer wunderschöne Capaill Uisce – ungewöhnliche, todbringende und schnelle Meereswesen in Gestalt von Pferden – aus. Diese Meereswesen faszinieren nicht nur die Bewohner von Thisby, deren Männer die Wasserpferde für ein traditionelles Rennen, dem Skorpio-Rennen, einfangen, gegeneinander antreten und das nicht selten mit ihrem Leben bezahlen. Auch zahlreiche Touristen reisen extra für dieses ungewöhnliche und blutige Rennen an. Doch dieses Jahr ist die Insel in heller Aufruhr. Ein Mädchen namens Puck Connolly bricht mit sämtlichen Traditionen und  möchte sich einen Platz in der Männerwelt erkämpfen und meldet sich für dieses blutige Spektakel an. Puck wird mit Hohn und Spott überschüttet, denn viele Bewohner meinen, dass das Rennen nur für Männer gemacht sei. Der Startschuss fällt und das tödliche Schauspiel beginnt vom Neuen.


Maggie Stiefvater beschreibt in „Rot wie das Meer“ eine ungewöhnliche Insel mit vielen Mythen und Traditionen. Sie wird bewohnt von alleinerziehenden Müttern und Vätern, deren Partner über Nacht einfach verschwunden sind. Die meisten wurden von Capaill Uisce getötet, andere flohen vor der Tristesse aufs Land. Es ist ein hartes Leben und ein erbitterter Kampf mit der Natur. Auch Puck Connolly hat einige Kampfspuren aufzuweisen. Seit dem Tod ihrer Eltern muss sie sich mit ihren zwei Brüdern über Wasser halten, denn die Insel bietet ihnen wenig zum Überleben. Sean Kendrick, der schon ganze vier Mal das Skorpio-Rennen gewonnen hat und somit zu einem erbitterten Gegner für Puck wird, führt ein Außenseiterdasein auf der Insel. Verpönt als ein in sich gekehrter Pferdeflüsterer, weil er einen besonderen Draht zu allen Pferden hat und sich lieber mit Meerungeheuern umgibt, als mit seinen Artgenossen. Ihm scheint Corrs Präsens zu genügen, denn er ist glücklich wenn er bei ihm ist. Corr ist ein Capaill Uisce Hengst, dem Sean seine Siege verdankt.
Wie jedes Jahr studiert Sean seine Gegner, um ihre Schwächen zu erkennen. Auch die von Puck. Doch ihr unverfälschtes und wildes Wesen fasziniert ihn mehr als alles andere.

Maggie Stiefvater wurde schon vor langer Zeit von einer Legende inspiriert, eine Geschichte über Capaill Uisce zu schreiben. Sie pickte sich einzelne Elemente dieses Mythos heraus und machte sie zu einer in meinen Augen ganz besonderen Geschichte. Eine Geschichte um eine Insel, die von todbringenden Wasserpferden besucht wird, und um deren Einwohner während der Vorbereitungen zu einem ungewöhnlichen Rennen. Sie erzählt von der Mentalität und den Sitten der Bewohner und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die zwei Hauptprotagonisten, Sean und Puck. Charaktere, die wahrlich interessant sind. Sean durch seine besondere Gabe und Puck durch ihr wildes und ungestümes Temperament. Von Wasserpferden hatte ich vorher nie gelesen oder gehört. Fasziniert folgte ich den Beschreibungen von Maggie Stiefvater, die diese Meereswesen mit ihrem unverwechselbaren Schreibstil erschaffen hat. Man könnte sagen, dass sie während des Lesens zum Leben erwachten und ihr Hufgetrampel und ihr ungewöhnlicher Gesang mich bis in meine Träume verfolgten.

„Ich spüre seinen Herzschlag in meinem, seine Energie in meiner, und ich weiß, dies ist die geheimnisvolle, furchterregende Magie der Capaill Uisce. Wir alle kennen sie und wissen, wie sie von einem Reiter Besitz ergreift, ihm die Sinne raubt und ihn ins Wasser reißt, bevor er sich dessen auch nur bewusst ist.“ Seite 324

Maggie Stiefvater hat es mit jedem ihrer Bücher bisher geschafft, mich vom Prolog bis zum Nachwort mit ihren besonderen, wenn auch melancholischen Worten zu begeistern. „Rot wie das Meer“ unterscheidet sich jedoch deutlich von ihren anderen Büchern. Auch wenn die Wasserpferde fantastisch beschrieben werden, ist dieses Buch sehr real. Die Geschichte hat viele ruhige Momente, in denen der Leser die Protagonisten und ihre Eigenarten kennenlernt, und denen einige spannungsgeladene und auch blutige Szenen folgen. Untermalt wird die Handlung von einer Liebesgeschichte, die nicht zu sehr in den Vordergrund rückt. Oft hatte ich das Gefühl, dass auf dieser Insel die Zeit irgendwann stehen geblieben ist, während auf dem Festland das Leben und die Entwicklung vorangehen. Ein Gefühl, dass mir sagte: Ich könnte in zehn Jahren diese Insel besuchen – wenn es sie geben würde - und alles wäre immer noch so, wie es in dieser Geschichte beschrieben ist.
Eigentlich sollte ich für dieses wunderschöne Buch eine Warnung ausgeben, denn wer „Rot wie das Meer“ von Maggie Stiefvater liest, wird eins mit der Geschichte und vergisst alles um sich herum.





Rot wie das Meer von Maggie Stiefvater 
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten 
Verlag: Script5 
Erscheinungsdatum: November 2012 
ISBN-13: 978-3839001479

Kommentare:

Livi hat gesagt…

MANNO! :D Ich will es lesen! *grins*

Kathrineverdeen hat gesagt…

Jaaaaaaaa unbedingt! :-)

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für deine Rezi! Ich muss dieses Buch unbedingt lesen.
Viele liebe Grüße!
Manu

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