Dienstag, 2. Oktober 2012

"Wir beide, irgendwann" von Jay Asher und Carolyn Mackler

1996, als Computer und Monitore noch nicht rank und schlank waren, und das Internet noch unerforschte Möglichkeiten bereithielt, bekommt die 16-jährige Emma von ihrem Vater einen Computer geschenkt. Mithilfe ihres besten Freundes Josh, loggt sie sich ins Internet ein und gelangt auf eine sehr ominöse Website namens Facebook. Geschockt stellt sie fest, dass sie dank ihres Computers eine kleine Zeitreise vollzogen hat und auf ihrem Facebook-Profil in 15 Jahren gelandet ist. Emma entdeckt, dass sie mit 31 arbeitslos und unglücklich verheiratet sein wird. Auch muss sie viele rätselhafte Beiträge und Fotos sehen, bei denen sie sich nicht erklären kann, warum sie dort gepostet werden. Josh, der bis jetzt alles andere als ein Frauenheld war, kommt dabei besser weg. Er ist mit dem hübschesten Mädchen der Schule verheiratet und hat seinen Traumjob ergattert. Emma beschließt dieses Unglück abzuwenden und das Zusammentreffen mit ihrem zukünftigen Mann zu verhindern. Sie beginnt bewusst Veränderungen in der Gegenwart herbeizuführen, um so ihrem unglückseligem Schicksal zu entkommen. Doch der Versuch, in ihr Schicksal einzugreifen, setzt eine fatale Kettenreaktion in Gang…

Wir als Leser begleiten Emma und Josh eine Woche lang, dürfen uns über ihre Unsicherheit mit dem Internet amüsieren und uns an eine längst vergangene Zeit erinnern. Beide Charaktere erzählen diese Geschichte abwechselnd aus ihrer jeweiligen Sicht, sodass man sich schnell mit ihnen identifizieren kann. Leider waren die Handlungsstränge um Josh und Emma auch ein wenig vorhersehbar, was mir aber die Leselust keineswegs genommen hat. Jedoch vermisste ich einen tieferen Einblick in ihre Gefühlswelt. Für mich war es sehr unterhaltsam zu beobachten, wie schon minimale Veränderungen in der Gegenwart die Zukunft änderte, deshalb musste ich dieses Buch ohne größere Pausen lesen.
Der Stil ist einem Jugendbuch angemessen, aber auch nicht allzu umgangssprachlich und nicht sehr kompliziert mit ihren flüssigen Beschreibungen und ihren leicht zugänglichen Charakteren. Die Idee von Jay Asher und Carolyn Mackler, Facebook als treibendes Mittel in „Wir beide, irgendwann“ einzusetzen, ist definitiv etwas anderes und sorgte für reichlich Spannungen. Der Rückblick ins Jahr 1996 hat mir großes Vergnügen bereitet, denn ich kann mir kaum noch vorstellen wie mein Leben ohne einen eigenen Computer war. Wie einfach oder wie schwer das Leben ohne das Internet war, fragt man sich immer wieder beim Lesen.
Ist es aber nicht besser, im Hier und Jetzt zu leben? Und wie werden wir in 10 Jahren miteinander kommunizieren?
„Wir beide, irgendwann“ von Jay Asher und Carolyn Mackler wirft einfach diese Fragen auf und kritisiert ein wenig die Schnelllebigkeit und die unpersönliche Art des Kommunizierens in der heutigen Zeit.

„Wir beide, irgendwann“ ist ein schönes und originelles Jugendbuch für zwischendurch. Es konnte mich trotz spärlichen Emotionen und der Vorhersehbarkeit - gerade in der zwischenmenschlichen Ebene - begeistern. Es bietet viele aktuelle Themen, die mit einem sehr unterhaltsamen Rückblick auf das Jahr 1996, interessanter wirken.






Wir beide, irgendwann von Jay Asher und Carolyn Mackler
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten 
Verlag: cbt 
Erscheinungsdatum: 27. August 2012 
ISBN: 978-3570161517

Kommentare:

Charlie hat gesagt…

Hm, interessant, dass du den Einblick in die Gefühlswelt nicht tief genug fandest.
Ich finde ihn etwas zu tief und hätte lieber die philosophischen Möglichkeiten, die das Thema bietet, ausgeschöpft.
Naja, es ist halt ein Jugendbuch ;)

Deinen Satz " „Wir beide, irgendwann“ von Jay Asher und Carolyn Mackler wirft einfach diese Fragen auf und kritisiert ein wenig die Schnelllebigkeit und die unpersönliche Art des Kommunizierens in der heutigen Zeit." finde ich übrigens treffen und schön formuliert ;)

LG
Charlie

Kathrineverdeen hat gesagt…

Vielen Dank :-) und liebe Grüße!

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