Donnerstag, 11. Oktober 2012

"Hinter dem Mond" von Wäis Kiani

Bildquelle: Hoffmann und Campe
Neun Jahre ist Lilly in den späten 1970ern, als ihre persischen Eltern beschließen, ihre bisherige Heimat – ein kleines ostfriesisches Dorf - zu verlassen, um nach Teheran zurückzukehren. "Hinter dem Mond", so kommt es Lilly vor, denn sie kann weder die Sprache, noch versteht sie die Sitten und Bräuche. Sie tut sich sehr schwer, weil im Iran plötzlich ganz andere Regeln gelten als in Deutschland. Doch Lilly passt sich nicht an, bleibt eigensinnig und ist wütend, weil sie in ein ihr fremdes Land verschleppt wurde. „Ich wusste damals nicht, wie es sein konnte, dass ich als Einzige ein ganzes Volk und seine Gewohnheiten mitsamt dem Land, in dem es lebte, so ablehnen musste. Aber für mich war einfach fast alles eine Enttäuschung oder peinlich oder unerträglich bis zur Schmerzgrenze“ Seite 143

 In "Hinter dem Mond" von Wäis Kiani geht es hauptsächlich um die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens zwischen zwei verschiedenen Kulturen. Wir begleiten Lilly, Tochter einer Oberschichtfamilie Teherans und lernen ihre privilegierte Welt kennen, in der nur wenige Wünsche offen bleiben, die mit Geld zu bezahlen sind. Doch Geborgenheit lässt sich nicht kaufen und ihre tiefe Sehnsucht nach Freiheit wächst. Erschwert wird ihre Situation durch einen Machtwechsel im Land. Plötzlich gibt es Sittenwächter, die auch in der sonst abgeschlossenen Oberschicht eindringen.
Lillys Eltern haben ihrem Kind in Deutschland sehr viele Freiheiten gegeben, denn es gab eigentlich kaum Grenzen für sie. Die einen sagen antiautoritäre Erziehung, andere wiederum nennen es Desinteresse am Kind. Das hat Lilly zu einem für mich sehr interessanten Charakter gemacht. Viele Leser werden Lilly als oberflächlich, renitent und verwöhnt empfinden. Das ist sie auch, aber wenn man sich auf ihre Geschichte einlässt, erkennt man auch eine andere Seite. Eine sehr starke, denn sie kämpft erbittert für ihre Freiheit, obwohl sie eigentlich ständig mit ihrem unkonventionellen Verhalten aneckt und sich so viele Strafen einheimst.

Wäis Kiani hat mit "Hinter dem Mond" ein dichtes, packendes und bewegendes Buch über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens geschrieben. Geschildert von einer sehr starken Persönlichkeit mit einem schonungslosen Blick auf die Welt, die von den politischen Hintergründen noch interessanter wurde, und den Leser noch einige Zeit nach dem Lesen beschäftigen.
Mit Spannung warte ich jetzt auf eine Fortsetzung, denn Lilly war für mich eine ganz besondere Jugendliche, von der ich gerne noch ein bisschen mehr lesen möchte.


Hinter dem Mond von Wäis Kiani
Gebundene Ausgabe: 382 Seiten 
Erscheinungsdatum: 16. August 2012 
ISBN: 978-3455403831

Kommentare:

Elif hat gesagt…

Wow, das klingt sehr spannend! Danke für die Vorstellung :)

Roxann Hill hat gesagt…

Hi! Bin durch Blogzug auf dein Blog aufmerksam geworden. Es gefällt mir gut bei dir und deshalb hast du jetzt eine Leserin mehr.
Wenn du magst, kannst du ja auch bei mir mal vorbeischauen. Ich würde mich freuen!
VLG
Roxann

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