Dienstag, 21. August 2012

"Nur 6 Tage" von Philip Webb

In den Tiefen des durch Kriegen zerstörten zukünftigen Londons, welches zum neurussischen Imperium gehört, verbirgt sich ein geheimnisvolles und kostbares Artefakt. Jeder will ihn, doch kaum einer weiß, wie er aussieht. Spezielle so genannte Räumergruppen sollen es für die regierenden Mächte des neurussischen Imperiums finden. Cass ist eine der besten in der Gruppe, denn sie ist jung und zierlich. Selbst die engsten Schächte sind für sie kein Problem. Solange sie denken kann, wühlen sie und ihre Familie sich durch das zerstörte London. Als ihr kleiner Bruder Wilbur auf einer eigenmächtigen Ausflug um das Artefakt zu finden verschwindet, macht sich Cass auf die Suche nach ihm. Unterwegs begegnet sie einem merkwürdigen Jungen in einem Schlafanzug, der scheinbar aus einer anderen Zeit stammt und die Kriege verschlafen hat. Dieser Junge namens Peyto ändert Cass‘ komplette Welt, denn er behauptet zu wissen, wo das Artefakt versteckt ist und kennt seine geheimnisvolle Bedeutung….

Ich liebe düstere und gut durchdachte Dystopien, und bin immer wieder sehr neugierig auf neue Visionen der Autoren über die Zukunft. Die Idee zu „Nur 6 Tage“ fand ich eigentlich sehr interessant und war gespannt auf deren Umsetzung. Leider haben sich meine Erwartungen nicht erfüllt.

Der einfache umgangssprachliche Stil, der sich durch das ganze Buch zieht, war für mich sehr störend. Viele Protagonisten, besonders Cass, haben einen sehr respektlosen und rüden Ton, der wohl Ausdruck eines bildungslosen Systems sein soll. Das machte es für mich sehr schwer, der Geschichte zu folgen und mich nicht über das respektlose Verhalten von Cass zu ärgern. Auch die Gestaltung der anderen Charaktere ist Philip Webb meiner Meinung nach nicht gelungen. Sie wurden in meinen Augen durchweg facettenarm und uninteressant gestaltet.
Es wurden viele Science Fiction Elemente eingebaut, die mich leider nicht begeistern konnten, weil die Handlung dadurch zu abstrakt wurde.
Dystopien werden reizvoll, wenn man sich diese Zukunft beim Lesen gut vorstellen kann. Philip Webb schickt den Leser in eine bemerkenswerte Kulisse des zerstörten Londons auf die Suche nach einem Artefakt, dessen Bedeutung nicht sofort klar ist. Durch die Erlebnisse von Cass bekommt man einen groben Überblick über die diktatorischen Regierenden und deren repressive soziale Kontrolle. Der Leser muss zusätzlich zwischen den Zeilen lesen, um einen wirklichen Überblick über das Geschehen zu bekommen. Hinzu kommt, dass es erst gegen Ende ein wenig Spannung aufkam aber leider viele Fragen offen blieben.

Meines Erachtens hat Philip Webb in seinem Werk „Nur 6 Tage“ das unendliche Potenzial, das eine Dystopie anbietet nicht ausgeschöpft.
Er hat es zwar geschafft, eine bemerkenswerte Kulisse zu kreieren, hat mich aber mit seinem umgangssprachlichen Stil und seinen abstrakten Sci-Fi-Elementen eher verschreckt.
Das Geschehen und auch die Charaktere blieben nur oberflächlich und dadurch ist mir die Lektüre dieses Buches erschwert worden.




Nur 6 Tage von Philip Webb
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten 
Erscheinungsdatum: April 2012 
ISBN-13: 9783551520319

Kommentare:

his + her books hat gesagt…

Mir ging es exakt genauso! Der Sprachstil war einfach nur sehr nervend. Das hat mich mit jeder Seite noch mehr gestört. Ich war - wie du - so neugierig und voller Erwartung. Die Idee hörte sich großartig an. Doch leider steckt mehr Science Fiction als Dystopie drin :-(
Leider eine Enttäuschung.

Lg
Steffi

Caro hat gesagt…

Ging mir ähnlich ;) hab das Buch schon vor einem halbe Jahr gelesen & auch ich hatte eigentlich eine spannende Dystopie erwartet. Aber eine Dystopie ist es leider tatsächlich nicht. Naja ich war auch eher enttäuscht!
Liebe Grüße Caro

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