Donnerstag, 28. Juni 2012

"Wie ein Flügelschlag" von Jutta Wilke

„Ich war fünf, als ich fliegen lernte. Ich schlüpfte aus den Armen meiner Mutter, die im hüfthohen Wasser stand, wand mich unter dem Seil hindurch und flatterte davon wie ein kleiner Vogel. Kein Boden mehr unter den Füßen und keine Hände mehr, die mich umklammerten. Über mir der Himmel und unter mir nichts als Wasser."

Dank eines Stipendiums lebt die sechzehnjährige Jana in einem Sportinternat für Leistungsschwimmer. Da sich ihre Familie es sich nie hätte leisten können, sie auf diese Schule zu schicken, ging für sie dadurch ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Mit ihren Leistungen hält sie ihre Mitschüler locker auf Abstand. Nur eine ist eine wirklich ernst zu nehmende Konkurrentin für sie: Melanie, die gleichzeitig ihre einzige und beste Freundin ist, denn wer Leistungen erbringt, hat auch immer wieder Neider und nicht unbedingt viele Freunde.
Doch eines Tages wandelt sich ihr Traum in einen kompletten Albtraum. Sie findet Melanie tot am Schwimmbeckenrand auf. Tief traurig und geschockt beschleicht sie ein Verdacht und sie macht sich auf die Suche nach der Ursache des Todes. Doch egal, an wen sie sich wendet, stößt sie nur auf eine dicke Mauer des Schweigens.

„Wie ein Flügelschlag“ von Jutta Wilke beginnt mit dem Tod von Melanie und gibt danach eine Rückblende auf die Ereignisse in der Vergangenheit, in der man die Protagonisten besser kennen lernt. Melanie und Jana könnten nicht gegensätzlicher sein, und allein die unterschiedlichen familiären Situationen aus denen sie stammen, macht diese Freundschaft sehr interessant. Jana sagt selber über sich: „Ich kann nur essen schlafen und schwimmen.“ Melanie jedoch träumt von ganz anderen Dingen und leidet unter dem Druck ihrer Eltern, denn für sie ist Schwimmen harte Arbeit. Diese Gegensätze machen ihre Freundschaft sehr schwierig. Janas Hartnäckigkeit, an dieser teilweise sehr kraftraubenden Freundschaft zu halten, wirkt insgesamt verstimmend.

Jutta Wilke hat eine Geschichte geschrieben, in der der Leser viel über die Abgründe der menschlichen Psyche erfährt: Elterlicher Ehrgeiz, durch ihre Kinder ihren Lebenstraum verwirklichen wollen; oder Eltern, die überhaupt nicht interessiert sind an den Träumen ihrer Kinder, wie in Janas Fall. Auch das Internatsleben und seine Strukturen lernt man durch Lenas Alltag kennen. Man bekommt eine Ahnung, wie es bedeutet, in einem nach Leistung lechzendem System zu leben. Wie man sich fühlt, wenn man gemieden und gemobbt wird, aber man erfährt auch, wie Ehrgeiz einen Menschen zerstören kann.


Jutta Wilke hat einen Jugendthriller geschrieben, der mir persönlich zu düster und grau in grau erschien. Diese melancholische Grundstimmung driftete des Öfteren in Rührseligkeit ab. Viele Handlungsstränge wirkten auf mich künstlich in die Länge gezogen und waren für die Geschichte uninteressant. Mir erschien die ganze Thematik zu bedrückend und hoffnungslos. Auch die Charaktere waren mir zu keiner Zeit sympathisch.
Es ist aus meiner Sicht leider eine unkomplizierte Geschichte mit einem jugendlichen Schreibstil, die einige Längen aufweist.



Wie ein Flügelschlag von Jutta Wilke 
Gebundene Ausgabe: 282 Seiten 
Verlag: Coppenrath
Erscheinungsdatum: Januar 2012
ISBN: 978-3649605669

Kommentare:

cityrella. hat gesagt…

Bis zu dem letzten Abschnitt deiner Rezension wollte ich das Buch unbedingt haben. Ich mag melancholische Stimmungen auch nicht so besonders ;s tolle Rezension ! (:
Cityrella
www.storiesdreamsbooks.blogspot.de

xoxoJade hat gesagt…

oh du bist ja nicht gerade begeistert, weiß jez gar nicht so recht ob ich es noch lesen will :')

Kathrineverdeen hat gesagt…

War nicht nach meinem Geschmack, aber vielen anderen hat es ja gefallen...

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